Ein Luftschiff schreibt Rockgeschichte

Im Grunde waren sie die Erfinder des Heavy Metal, aber wenn man den Werdegang dieser Musikrichtung im nachhinein genau betrachtet, dann muß man hinzufügen: auf höchstem Niveau! Ihre musikalischen Wurzeln lagen zwar im Ryth`m & Blues, aber oft klangen sie mit ihren Liebesliedern wie mittelalterliche Barden, verzierten ihre Songs mit orientalischen Klängen und schlugen damit am Ende eine Brücke zur klassischen Musik. Ihr Gründer war Jimmy Page, ein virtuoser Gitarrist, der nur in einem Atemzug mit Größen wie Eric Clapton oder Jimi Hendrix zu nennen ist.

James Patrick Page wurde am 9. Januar 1944 in Heston, Midlessex, geboren. Er verbrachte seine Jugend in Feltham, einem Vorort Londons, der nahe am Flughafen Heatthrow liegt. Er konnte die Vibrationen der landenden Maschinen spüren und mit seiner Vorliebe für Kunst und Musik war er auch immer kurz davor, einfach abzuheben. So sah es jedenfalls sein Vater, der die Entwicklung seines Sohnes mit Sorge betrachtete. Er war Personalchef in einem Industriebetrieb. Mit vierzehn Jahren bekam Jimmy Page eine Gitarre geschenkt. Nachdem er Scotty Moores Gitarrensound auf den Platten von Elvis gehört hatte, wollte er dieses Instrument unbedingt beherrschen. Ein Schulfreund zeigte ihm ein paar Akkorde und von da an machte er alleine weiter. Er hörte die Schallplatten immer und immer wieder, bis die Rillen abgenutzt waren und spielte dann die Songs einfach nach. Er kaufte sich ein Lehrbuch mit dem Titel "Gitarre lernen an einem Tag" und übte unermüdlich weiter. In seiner Schulzeit war er so besessen von dem Instrument, daß die Eltern es ihm jeden Morgen aus den Händen rissen, damit er noch rechtzeitig zur Schule kam. Er hatte niemals Gitarrenunterricht. Jimmy Page war ein reiner Autodidakt. Mit fünfzehn Jahren war er schon bei Neil Christian and the Crusaders eingestiegen. Sie spielten alte Sachen von Bo Diddley und Chuck Berry. Wenn Jimmy frei improvisierte, dann überließ der Sänger ihm die Bühnenmitte und hörte ihm begeistert zu. Schon zu dieser Zeit war Jeff Beck auf ihn aufmerksam geworden und auch mit Eric Clapton war er gut befreundet. Das Touren in dem kleinen, klapperigen Bus, der immer wieder mitten auf der Landstraße eine Panne hatte und das anstrengende Nachtleben führten zum körperlichen Zusammenbruch, denn Jimmy hatte eine zarte Konstitution. Er war total erschöpft und dann war ein Drüsenfieber bei ihm ausgebrochen. Die Ärzte rieten ihm zu einer Ruhepause. Bald darauf schrieb er sich am Art College in Sutton ein, um Kunst mit dem Schwerpunkt Malerei zu studieren. Dieser kreative Geist wollte auf keinen Fall einen bürgerlichen Beruf ergreifen. Es hätte auch ein Maler aus ihm werden können, aber die Gitarre ließ ihn nicht los. Bald ging er wieder in die Clubs im Westend und stand mit den verschiedensten Musikern auf der Bühne und Jammte. Im Laufe der Jahre entwickelte sich Jimmy Page zu einem begehrten Session-Musiker. Er spielte für die Rolling Stones, Them und die Kinks und die Who, einfach für jeden, der Rang und Namen hatte. Er lernte Noten lesen und er lernte viel über Aufnahmetechnik und Aufnahmeproduktion. Die Produzenten rissen sich um seinen neuartigen Gitarrensound und er hatte einen guten Ruf in der Szene, denn er war kooperativ und zuverlässig. Eine Weile war er auch Hausproduzent bei Immediate Records. Er war bald so begehrt, daß er Leinwand und Pinsel zur Seite legte.

Jimmys neuartiger, damals obskur klingender Gitarrenstil war von einem schnellen Tempo geprägt. Er experimentierte mit Übersteuerung und Rückkopplungseffekten, bearbeitete seine Gitarre mit einem Violinenbogen und erregte Aufsehen damit. Er sah gut aus und mit seinen langen, dunklen Haaren und den bunt zusammengewürfelten Klamotten wirkte er exotisch, aber auch geheimnisvoll und romantisch.

1965 stieg Jimmy Page bei den Yardbirds ein. Die ewige Tüftelarbeit in den Studios war ihm auf Dauer zu langweilig geworden. Zusammen mit Jeff Beck spielte er die Sologitarre. Zum ersten Mal gab es zwei Leadgitarristen in einer Gruppe. Die Yardbirds waren in England sehr populär, aber ihre größten Erfolge hatten sie in den Staaten. Mit "For Your Love" und "Shapes Of Things" landeten sie gleich hintereinander zwei große Hits. Sie spielten auch den Soundtrack zu Antonionis Film "Blow Up". In einer Szene des Films spielt die Gruppe den Song "Stroll On", während Jeff Beck (zum ewigen Gedenken an The Who und die wilden sechziger Jahre) mitten auf der Bühne eine Gitarre zerhackt. Es kam aber bald zu Streitigkeiten innerhalb der Gruppe, weil der Sänger Keith Relf immer öfter betrunken auf die Bühne kam, man konnte sich auf keinen gemeinsamen Stil einigen und es fehlte das richtige Management. Im Sommer 1968 lösten sich die Yardbirds wieder auf. Danach gründete Jimmy Page The New Yardbirds und sah sich nach neuen Musikern und einem neuen Sänger um. Er wollte gern Stevie Winwood von Traffic oder Steve Marriot von den Small Faces für sich gewinnen, aber die beiden Sänger waren an ihre eigenen Gruppen gebunden. Von dem Sänger Terry Reid bekam er den absoluten Geheimtip: Robert Plant! Ein achtzehnjähriger Sänger aus den Midlands. Er sah ihn sich bei einem Auftritt mit seiner Gruppe Hobbstweedle an einer pädagogischen Hochschule in Birmingham an. Jimmy war von ihm begeistert. Er hatte eine kräftige, klagende, gefühlvoll erotisch klingende Stimme. Er war von einer zauberhaften Aura umgeben, die den Hörer in den Bann zog. Mit seinen langen, blonden, lockigen Haaren und den zierlichen Bewegungen wirkte er ein wenig androgyn, und wenn man ihm länger zuhörte, dann konnte man glauben, er sei ein in Ekstase geratener Engel.

Robert Anthony Plant wurde am 20. August 1948 in Bromwich, Staffordshire, geboren. Er wuchs in den westlichen Midlands und in der Kleinstadt Kidderminster auf und besuchte die King Edward VI.-Schule in Stourbridge. Sein Vater war Bauingenieur und hatte für seinen Sohn eine Laufbahn als Buchprüfer vorgesehen. Als Kind spielte Robert Mundharmonika und übte Skiffle auf dem Waschbrett. Schon in ganz jungen Jahren entwickelte er eine Vorliebe für den Blues. Er bewunderte Robert Johnsons Gesang im Wechselspiel mit der Gitarre. Immer wieder hörte er sich in diese Musik hinein. Die Gitarre klang fast wie eine Verlängerung der Stimmbänder des Sängers. Diese Gesangstechnik, die ihre Wurzeln im Gospel hatte, sollte Robert später übernehmen. Sie war ein herausragendes Merkmal in der Musik Led Zeppelins. Jimmy Pages Gitarre und Robert Plants Stimme waren ständig im Dialog. Roberts orgiastische Schreie lagen oft im Wettstreit mit Jimmys entfesselter Gitarre und mit dieser geballten Ladung erotischer Energie sollten sie bald die Herzen des Publikums im Sturm erobern.

Als Robert die Platten von Elvis hörte, stellte er sich vor den Spiegel und ahmte den Sänger nach. Mit vierzehn Jahren ließ er sich die Haare wachsen, spielte in Schülerrockbands und ging in den Seven Stars Blues Club, wo er bei der Delta Blues Band Songs von Blind Boy Fuller sang. Robert war ganz verrückt nach den Mädchen und er war verrückt nach Musik. Ebenso wie Jimmy Page war Robert Plant ein reiner Autodidakt. Er hatte niemals Gesangsunterricht. Seine Stimme entwickelte sich allmählich von ganz alleine, als er fünfzehn Jahre alt war und Stücke von Tommy McClellan nachsang. Auf Drängen seines Vaters begann er eine Lehre als Buchprüfer, aber nach drei Wochen brach er sie wieder ab und ging wieder aufs College zurück. Er wollte sein Leben nicht hinter verstaubten Aktendeckeln verbringen, er wollte unbedingt Sänger werden. Er wußte, wie schwer es war, als Sänger Karriere zu machen, aber er wollte nicht aufgeben. Sein Vater konnte sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden. Mit sechzehn Jahren verließ Robert sein Elternhaus. Seinen ersten Gig hatte er mit Andy Long & the Original Jurrymen und spielte dann bei den New Memphis Bluesbrakers. Er schloß sich The Black Snake Moan an, stieß dann zu einer Gruppe mit dem Namen Banned und landete dann bei den Crawling King Snakes. Mit der Band Listen war er einigen CBS-Scouts aufgefallen. Sie waren von seiner Stimme und seiner Bühnenshow sehr beeindruckt. Die Band wurde für drei Singles verpflichtet. Die erste war ein Remake des Young Rascals-Hits "You Better Run". Die Scheiben verkaufte sich aber nicht, weil keine Promotion dafür gemacht wurde. 1967 wurde er gebeten, zwei weitere Singles aufzunehmen. Robert war enttäuscht, denn mit "Our Song" hatte man nur eine schnulzige Ballade für ihn geschrieben und die Platte war ihm peinlich. Er hätte sie am liebsten wieder eingeschmolzen, aber das brauchte er nicht, denn es wurden nur achthundert Stück davon verkauft. Mit einer Werbekampagne, die vollends scheiterte, wollte man ihn wohl als neuen Tom Jones unters Volk bringen und Robert sah seine Karriere schon den Bach runtergehen. So lernte er schon früh die harten Regeln im Musikgeschäft kennen. Er wechselte wieder von einer Band zur anderen, begann eigene Songs zu schreiben und gründete die Band of Joy. Sie hatten zwei Gigs pro Woche und verdienten kaum etwas. Sie nahmen ein paar Demos auf, bekamen aber keinen Plattenvertrag. Bei einem Georgie Fame-Konzert hatte Robert seine spätere Frau Maureen kennengelernt. Ohne ihre Hilfe wäre er nach eigenen Aussagen entweder durchgedreht oder verhungert. Sie hielt ihn mit ihrem Job eine ganze Weile über Wasser und baute sein angeschlagenes Ego immer wieder auf. Dafür war er ihr auf ewig dankbar. Die Band of Joy löste sich wieder auf und Robert ging zum Straßenbau und asphaltierte die West Bromwich High Street für 6 Shilling die Stunde. Eine kurze Zeit sang er bei Alexis Corner, der immer schon ein Gespür für große Talente gehabt hatte und am Ende war er dann bei den Hobbstweedle gelandet, wo Jimmy Page ihn entdeckte.

Jimmy Page konnte sich überhaupt nicht erklären, warum dieser Robert Plant noch kein Star war. Als er ihn gesehen hatte, wollte er nur noch diesen Sänger haben und er fragte sich immer wieder, warum man diese großartige Stimme so lange vernachlässigt hatte. Er hegte schon den Verdacht, hinter der schönen Fassade verberge sich ein unausstehlicher Charakter. Also lud er ihn in sein Haus in Pangbourne ein, um ihn näher kennenzulernen. Auf dem Weg dorthin wurde Robert von einer älteren Frau geohrfeigt, weil er so lange Haare hatte. Dieser Vorfall machte ihn noch nervöser, als er ohnehin schon war, denn er wußte, daß er mit Jimmy Page zusammen in die Stratosphäre des Rockhimmels eindringen konnte und diese Chance wollte er sich auf gar keinen Fall vermasseln. Als Robert bei Jimmy war, legte sich seine Nervosität sofort. Das Treffen zwischen den beiden verlief einfach phantastisch. Sie verstanden sich auf Anhieb, scherzten und lachten und erzählten sich Anekdoten. Robert durchstöberte Jimmys Plattensammlung und war begeistert. Jimmy fischte eine LP von Joan Baez heraus und legte sie auf den Plattenteller. Gemeinsam hörten sie sich den Song "Babe, I´m Gonna Leave You" an. Jimmy fragte Robert, ob er sich vorstellen könne, diesen Song zu singen. Robert nickte, griff zu Jimmys akustischer Gitarre und begann, den Song neu zu arrangieren. In diesem Moment begann die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Jimmy Page und Robert Plant und damit war der Grundstein für einen sensationellen Erfolg gelegt, der zwölf Jahre lang anhalten sollte. Es ist kaum zu beschreiben, was die beiden aus diesem ersten Song eigentlich machten. Die ganze Zärtlichkeit und Wehmut, die in dem Abschied der Liebenden lag, wurde von Roberts Stimme getragen, während Jimmys Gitarre den ganzen Schmerz und die aufgestaute Energie für einen Neuanfang zum Ausdruck brachte. Das ständig wiederkehrende, beschwörende Echo der Klage "Babe" hallt bis heute nach. Sie verstanden es wirklich, Romantik und Hardrock in einer heiligen Hochzeit zu vereinen.

Es fehlte aber noch das Fundament der Gruppe. Wie wichtig dieses Fundament war, das sollte sich erst zeigen, als der Zeppelin zur Bruchlandung ansetzte. Robert Plant legte ein gutes Wort für den Schlagzeuger John Bonham ein, mit dem er gut befreundet war. Mit der Band of Joy hatten sie gemeinsam auf der Bühne gestanden. John Bonham wurde von seinen Freunden nur Bonzo genannt. Jimmy Page sah ihn sich bei einem Konzert mit Tim Rose im Country Club von West Hampstead an. Niemals zuvor hatte er einen Schlagzeuger gesehen, der so viel Energie freisetzen konnte. Bonham wollte nicht nur den Rhythmus liefern. Sein Spiel war so explosiv wie ein Feuerwerk und er spielte lange Soli, wobei er die Felle mit bloßen Händen bearbeitet. Jimmy Page war von dem Erfindungsreichtum dieses Energiebündels schwer beeindruckt.

John Henry Bonham wurde am 31. Mai 1948 in Redditch, Worcestershire, geboren. Sein Vater war Zimmermann. Schon mit fünf Jahren drosch er wie wild auf Mutters Töpfe, Pfannen, Keks- und Kaffeedosen ein und bastelte sich aus einer Badesalzsdose und einem Stück Draht eine Snaredrum. Mit zehn Jahren schenkte ihm die Mutter eine echte Snaredrum und mit fünfzehn Jahren besorgte ihm der Vater ein komplettes Schlagzeug. Es war schon ein wenig abgenutzt und voller Rost, aber John behandelte es wie seinen größten Schatz. Er übte jeden Tag an dem Instrument. Wie Jimmy Page und Robert Plant hatte auch er niemals Unterricht gehabt. Sein erstes Vorbild war Ringo Star und nachdem er die Schule beendet hatte, trat er mit Pomade im Haar mit Terry Webb and the Spiders auf. Auf Drängen des Vaters arbeitete er in der Baubranche. Aber bald darauf zog es auch ihn wieder in die Clubs und er spielte bei The Nicky James Movement und A Way of Life und dann bei Steve Brett and the Mavericks. Mit achtzehn Jahren lernte er seine zukünftige Frau Pat kennen und beide lebten in einem Wohnwagen. Oft war er mit seiner Band so pleite, daß am Ende der Vorstellung die Instrumente und die Verstärker beschlagnahmt wurden. Bonzo haute vor Wut die Trommelfelle in Fetzen, aber seine Musik wollte er nicht aufgeben. Er verehrte Ginger Baker von den Cream und es sollte nicht lange dauern, da konnte er ihm wirklich das Wasser reichen. Bonzo trug einen Bart und wirkte sehr männlich. In seinen Augen loderte ein Feuer, ein Ausdruck reinster Willenskraft. Bei den Crawling King Snakes traf er Robert Plant und die beiden wurden Freunde. Als er bei Tim Rose spielte, verdiente er vierzig Pfund die Woche, mehr als je zuvor und er wollte diesen sicheren Job auf keinen Fall aufgeben. Jimmy Page beauftragte seinen Manager Peter Grant, ihm bei der Abwerbung des Schlagzeugers zu helfen. Sie luden ihn zum Essen ein, schickten Telegramme und Robert Plant redete ihm so lange gut zu, bis er endlich kapitulierte und bereit war, das Risiko mit der neuen Gruppe einzugehen. Während seiner Session-Arbeit hatte Jimmy Page den Bassisten und Pianisten John Paul Jones kennengelernt. Ihm war die Arbeit in den Studios auch zu eintönig geworden und er hatte bei Jimmy angefragt, ob er nicht in der neue Gruppe einen Bassisten gebrauchen könne. Jimmy Page war froh, daß sich dieser erfahrene Musiker, den er sehr schätzte, für eine Zusammenarbeit angeboten hatte. John Paul Jones hatte sich einen Künstlernamen zugelegt. Sein bürgerlicher Name war John Baldwin. Er wurde am 3. Januar 1946 in Sidcup in der Grafschaft Kent geboren. Zu seinem Glück wurde er in eine musikalische Familie hineingeboren. Sein Vater war Bandleader und Pianist und nahm seinen Sohn schon früh zu allen möglichen Veranstaltungen mit. John Paul nahm Klavierunterricht und spielte in der Kirche die Orgel. Sein Vater förderte ihn nach allen Kräften. Er orientierte sich an Musikern wie Charlie Mingus, Scott La Faro und Ray Brown. Mit siebzehn Jahren stand auch er mit den verschiedensten Bands auf der Bühne. Zuletzt war er bei der Harris/Meehan Group, zwei ehemalige Mitglieder der Shadows gehörten der Gruppe an. Er arbeitete als Bassist in einer Radioshow und danach bot man ihm Arbeit in den Studios an und er spielte für die Rolling Stones, Dusty Springfield, Donovan und unzählige andere bekannte Gruppen, wo er immer wieder mit Jimmy Page zusammentraf. Als er einige Arrangements für die Yardbirds geschrieben hatte, war Jimmy Page sehr beeindruckt und notierte sich seinen Namen. John Paul Jones war verheiratet und hatte zwei Töchter. Er hatte sich eine solide Basis geschaffen und konnte seine Familie gut ernähren, dennoch wollte er aus der Enge der Studios ausbrechen, um in Jimmy Pages neuer Gruppe seinen musikalischen Horizont zu erweitern. Er sah gut aus und strahlte eine große Ruhe aus. Im Gegensatz zu den anderen Gruppenmitgliedern wirkte er immer ein wenig verträumt und zurückhaltend. Er agierte lieber im Hintergrund, obwohl er mit seiner musikalischen Allroundausbildung für die Gruppe sehr wichtig war.

Jetzt hatte Jimmy Page seine neue Supergruppe endlich zusammengetrommelt. Vier Vollblutmusiker mit einzigartigem Charakter, aber er wußte immer noch nicht, wie sich das im Zusammenspiel eigentlich anhören würde. Also trafen sie sich zur ersten Probe in einem kleinen Studio in London. Es grenzte schon beinahe an ein Wunder, daß sich alle vier auf Anhieb gut verstanden. Robert Plant steckte John Paul Jones mit seiner Liebe zum Blues an. Bei diesen ersten Jam-Sessions war Jeder in der Gruppe gefragt, all seine Ideen und die ganze Intuition mit ins Spiel zu bringen. Sie spielten alte Nummern von den Yardbirds und als sie dann "Dazed and Confused" spielten, da gerieten sie in Euphorie. Nach den Proben war Jimmy Page so begeistert von seiner neuen Truppe, daß er beschloß, sofort ein Programm zusammenzustellen, um dann mit der Band auf Tournee zu gehen. Sie probten nur wenige Tage. Im September 1968 hatten sie dann noch unter dem Namen The New Yardbirds ihren ersten Auftritt in Kopenhagen. Im ersten Set spielten sie "Dazed And Confused", "How Many More Times", "Babe, I´m Gonna Leave You", "White Summer" und "Communication Breakdown". Damit hatten sie das Publikum in Verzückung gesetzt und am Ende forderte es Zugaben. Es ging weiter nach Skandinavien, dann spielten sie in Surrey, darauf im Marqee Club, dann in Liverpool und am 9. November spielten sie im Londoner Roundhouse, wo die Hippies frenetisch applaudierten und auch hier mußten sie Zugaben geben. Der Kritiker Tony Wilson vom Melody Maker war beeindruckt. In seinem Artikel rückte der Sänger Robert Plant endlich in das ihm gebührende Rampenlicht. Er prophezeite der Gruppe eine steile Karriere, nur die ungewohnte Lautstärke wurde bemängelt. Jimmy Page war sich ganz sicher, daß die Band ganz groß herauskommen würde und er wollte ins Studio gehen, um die erste Schallplatte aufzunehmen. Langsam wurde ihm klar, daß diese einzigartige Gruppe aus dem Schatten der Yardbirds heraustreten mußte. Als man nach einem neuen Namen suchte, fiel Jimmy Page der Witz wieder ein, den ein Mitglied der Who über die Gründung einer neuen Band mit Jimmy Page gemacht hatte. Er sagte, sie würden absacken wie ein "Lead Zeppelin". Das ist ein schönes Wortspiel, denn es hat zwei Bedeutungen: Leitzeppelin und Bleizeppelin. Nach einigen Überlegungen nannten sie dann die Gruppe Led Zeppelin.

Für die Aufnahmen ihrer ersten LP in den Londoner Olympic Studios brauchte die Band nur dreißig Stunden. Der Manager Peter Grant und Jimmy Page teilten sich die Studiokosten, denn sie hatten kein Plattenlabel. Sie wußten genau, was sie wollten und was zu tun war. Diese Platte sollte wie ein Live-Album klingen und Jimmy Page plazierte die Mikrophone mit viel Überlegung und reduzierte die Overdubs auf ein Minimum. Jimmy Page wechselte während der Aufnahmen von der Fender Pedal Steel Guitar zur Akustik Gibson und ließ während der Stücke "Dazed and Confused" und "How Many Times" den Geigenbogen über die Gitarrensaiten heulen. John Paul Jones spielte für den Song "Your Time Is Gonna Come" eine erregende Kirchenorgel. Während sie "Good Times, Bad Times" spielten, zeigte Bonzo allen, was er aus einer Baßtrommel herausholen konnte. In dem Song "Babe, I´m Gonna Leave You" offenbarte Robert Plant seine ganze Seele. Als die Arbeit beendet war, wählten sie ein Foto der brennenden Hindenburg als Cover. Die gesamten Produktionskosten betrugen 1800 Pfund. Der Verkauf dieser ersten LP brachte ihnen aber am Ende die ungeheure Summe von 3,5 Millionen Pfund ein.

Der Manager Peter Grant hatte die Gruppe bei Atlantic Records als die Supergruppe des Jahrhunderts angepriesen und einen einzigartigen Vertrag ausgehandelt. Der Gruppe wurde künstlerische Freiheit angeboten und sie bekamen einen Vorschuß von 200 000 Dollar. Das war damals eine Summe, die nur die ganz großen Stars bekamen. Bonzo kaufte sich sofort einen Jaguar. Aber der wichtigste Punkt war, daß sie ihre Platten weiterhin selbst produzierten konnten und sie behielten die Kontrolle über die künstlerische Gestaltung ihrer Cover und alles andere, was ihr Image betraf. Peter Grant war ungeheuer korpulent und cool und in jeder Hinsicht ein echtes Schwergewicht. Er war der Übervater der Gruppe. Er war absolut kompetent und er hatte immer den richtigen Riecher. Er wurde 1935 geboren und war während des Krieges evakuiert gewesen, hatte kein Dach über dem Kopf und keine abgeschlossene Schulausbildung. Mit dreizehn Jahren war er Bühnenhilfsarbeiter, wurde dann Arbeiter in einer Stahlfabrik und danach wurde er Bote bei der Nachrichtenagentur Reuters. In der Armee war er Korporal, danach arbeitete er in einem Hotel, wurde dann Rausschmeißer, arbeitete als Catcher und dann als Schauspieler und danach bot man ihm einen Job als Tourmanager an. Er betreute Gene Vincent, Little Richard und Jerry Lee Lewis, wenn sie in England waren, dann die Alan Price Combo , die Animals und dann am Ende die Yardbirds. Man kann wirklich sagen, daß Peter Grant über genügend Lebenserfahrung verfügte. Schon früh erkannte er die neuen Trends in der aufkommenden Underground-Szene und kümmerte sich um neue Auftrittsorte. Er wußte, daß es für Led Zeppelin nur in Amerika wirklich eine Chance gab. Er unterstützte die Gruppe in all ihren Belangen und setzte sich für ihre künstlerischen Ideen und Ideale ein, auch wenn es auf den ersten Blick unvernünftig schien. Wie clever die Gedankengänge dieses Managers waren, das sollte sich erst später zeigen. In der Pressemitteilung von Atlantic Records wurde Led Zeppelin als die neue Supergruppe angepriesen, die Nachfolger von Cream und Jimi Hendrix. Das war vielleicht nicht besonders geschickt, aber die Rockpresse reagierte vollkommen unangemessen auf die ganze Geschichte. Led Zeppelin bekam das falsche Image einer künstlich zusammengestellten Gruppe, die nur kommerziell eingestellt war und ihr Können noch lange nicht unter Beweis gestellt hatte. Am 10. Dezember trat die Gruppe zum ersten Mal unter dem Namen Led Zeppelin im Marquee Club auf und hatte dann noch weitere Auftritte in England, aber die Reaktion des Publikums war nicht gerade überwältigend. Die Kritiken waren so deprimierend, daß man sie Robert Plant erst gar nicht zu lesen gab.

Obwohl die erste Schallplatte noch nicht auf dem Markt war, schickte Peter Grant seine Gruppe kurz vor Weihnachten als Vorgruppe von Vanilla Fudge nach Amerika. Er sagte nur: "Geht rüber und macht sie fertig! Macht jeden Auftritt zu einem unvergeßlichen Ereignis." John Paul, Bonzo und Robert waren gar nicht davon begeistert, an den Weihnachtstagen von ihren Frauen getrennt zu sein und Jimmy hatte gerade seine neue amerikanische Freundin Lynn bei sich im Hause, dennoch murrten sie nicht und machten Peters Worte wahr. Sie landeten in L.A. und wohnten im Chateau Marmont, wo schon Jim Morrison Aufsehen erregt hatte, weil er als Eidechsenkönig im zweiten Stock aus dem Fenster gesprungen war. Hier begannen auch noch ganz harmlos die "Späßchen" von Led Zeppelin, die später immer mehr ausufern und der Klatschpresse genügend Nahrung liefern sollten. Nach den Konzerten waren die Mitglieder der Band immer noch total aufgedreht und sie mußten einfach noch weiter Dampf ablassen, weil sie sonst in ein emotionales Loch gefallen wären. Wenn sie auf Tournee waren, dann lebten sie im Grunde immer nur für den Auftritt, und die langen Zeiten in Mietwagen und Bussen, den fremden Städten mit den immer gleichen Hotelzimmern, konnten leicht in die Depression führen. Der Roadmanager Richard Cole und Jimmy Page hatten zwei Eimer mit Wasser und rohen Eiern gefüllt und über den Köpfen von Robert und Bonzo ausgekippt. Sie konnten sich über den Anblick ihrer verdatterten und vereidotterten Freunde köstlich amüsieren.

Ihren ersten Auftritt hatten sie in Denver. Robert Plant war die ganze Zeit vor seinem ersten Auftritt sehr nervös gewesen, aber in Denver stolzierte er mit wehenden Haaren, barfuß und mit halb geöffneten Hemd auf die Bühne und legte einfach los. Mit jedem neuen Song wuchs die Spannung und die Menge geriet immer mehr in Erregung. Am Ende des Konzerts waren sie wirklich mit ihrer Leistung zufrieden. Im Fillmore West fegten sie als Vorgruppe die Headliner Taj Mahal und Country Joe and the Fish einfach von der Bühne. Im Publikum hörte man nur noch die Rufe nach Led Zeppelin. Im Fillmore East geschah das gleiche mit Iron Butterfly. Ihre Auftritte dehnten sich immer mehr aus, bald standen sie nicht nur neunzig Minuten auf der Bühne, sondern drei Stunden. Im Boston Tea Party gaben sie wohl eines der längsten Konzerte, es dauerte vier Stunden und fünfzehn Minuten. Manchmal wußten sie nicht mehr, was sie noch spielen sollten. In Detroit und Miami konnte John Paul seinen Baß nicht mehr hören und suchte verzweifelt nach dem Fehler in der Anlage, dabei lag es daran, daß das Publikum so ohrenbetäubend laut war. Die Fans applaudierten minutenlang mitten im Stück. Die Fans stürmten die Bühne und eine Zugabe folgte auf die andere. Ein New Yorker Diskjockey lobte die Band in den Himmel und die Fans stürmten die Plattenläden und verlangten nach einer Platte, die es noch gar nicht gab. Atlantic Records wurde mit Bestellungen überschwemmt. Anscheinend füllten Led Zeppelin in Amerika eine Lücke. Ihre Dynamik, die Intensität und Leidenschaft ihrer Musik, diese klare Mischung aus Hardrock und Blues bildete einen Gegensatz zu dem weitschweifigen Westcoast-Sound und psychedelischen Experimenten. Außerdem liebten die Amerikaner Bands mit guten Sologitarristen und Gruppen wie Led Zeppelin brachten ihnen den guten, alten Blues im neuen Gewand zurück.

Die Mitglieder von Led Zeppelin schwebten noch Tage über den Wolken, auch als sie schon lange auf dem Boden der Tatsachen in England gelandet waren. Die Rockpresse hatte den Aufstieg des Zeppelins regelrecht verpennt und wollte sich diesen Fehler nicht eingestehen. Sie galten immer noch als die Kapitalistenband, obwohl sie auf ihrer Amerika-Tournee nichts verdient hatten. Die Einnahmen deckten sich mit den Ausgaben. Robert Plant und Bonzo erhielten eine Pauschale von hundert Dollar die Woche und Jimmy Page und John Paul Jones verzichteten auf ihr Honorar. Als die Band gegründet wurde, hatte Bonzo auch noch um den Fahrerjob gebeten, weil er so pleite war.

Anfang des Jahres 1969 erschien die Debüt-LP Led Zeppelin auf dem Markt. Die Diskjockeys schwärmten von der einzigartigen Energie dieses Albums, aber die Presse blieb gnadenlos und sah in Led Zeppelin bestenfalls nur einen schwachen Abglanz der Yardbirds. Man schrieb einen Verriß nach dem anderen und schnitt sich damit langsam aber sicher immer tiefer ins eigene Fleisch, denn die Fans ließen sich von schlechten Kritiken nicht abhalten und kauften die Platte. Sie rückte schnell in die Charts auf und sollte sich über ein Jahr dort halten. Peter Grant bekam ständig Anrufe aus Amerika mit der Anfrage, wann die Gruppe dort wieder auftreten würde. Aufgrund dieser Ereignisse war die Presse auf einmal aufgewacht und nun wollte man nur noch Interviews und Klatschgeschichten von der Gruppe haben, aber Jimmy Page sagte nur: "Die haben sie doch nicht mehr alle. Wenn sie zuerst die Schwerter blitzen lassen, warum sollten wie dann wild darauf sein, mit ihnen zu reden?" Robert Plant reagierte noch heftiger. Wenn Journalisten versuchten, ihn hinter der Bühne für ein Interview zu erwischen, dann ließ er ihnen nur ausrichten, sie würden erst dann ein Interview bekommen, wenn sie etwas über Musik gelernt hätten. Robert war bis ins Mark verletzt. Er überspielte seine Sensibilität manchmal mit einem Anflug von Arroganz. Atlantic Records war von dieser Haltung der Presse gegenüber natürlich nicht gerade begeistert. Allerdings vergaß die Band nie einen Menschen, der ihnen in den Anfängen geholfen oder Mut gemacht hatte, und das galt auch für Journalisten. Sie wurden im Laufe ihrer Karriere immer besonders freundlich und bevorzugt behandelt.

Im März und April 1969 spielten Led Zeppelin wieder in den kleinen Clubs und reisten quer durch England. Nur durch Mundpropaganda waren die Konzerte fast immer ausverkauft. Sie gaben achtzehn Gigs, bekamen aber nur 60 Pfund pro Auftritt.

Als nächstes sollte die Gruppe wieder nach Amerika gehen. Dabei gab es nur ein kleines Problem: Led Zeppelin hatten ihre Musikanlage, die noch aus den Zeiten der Yardbirds stammte, buchstäblich zu Tode gespielt. Jimmy Page, den seine Freunde auch oft Led Sparsam nannten, hatte die zündende Idee: Er ließ die Rückseiten von den alten Fender- und Rickenbaker-Gehäusen aufschrauben, um die Lautsprecher in den Boxen einfach zu vertauschen. Dann fuhr der Roady mit dem teuren Fendergehäuse, in dem sich nun die Rickenbaker-Lautsprecher befanden, zu Sound City am Piccadilly Circus und tauschte sie gegen neue Marshalls ein. Er hatte nur ein Pfund dafür ausgegeben und Led Sparsam freute sich.

Die Gruppe gönnte sich keine Atempause und machte sich wieder auf den Weg nach Amerika. Man wollte das Eisen schmieden, so lange es heiß war. Jimmy Page hatte immer vor Augen, daß der Weg nach unten genauso steil war wie der Weg nach oben. Zu dieser Zeit machte Atlantic Records auch noch Druck, denn sie wollten die ersten Tracks für das zweite Album haben, obwohl das Geld für das erste Album noch nicht einmal gezählt war. Es zeichnete sich aber deutlich ab, das Led Zeppelin eine lukrative Einnahmequelle war. Die Tour begann im Mai 1969 im Fillmore West in San Francisco. Dann ging es weiter nach L.A., wo die Karten schon am Vortag ausverkauft waren. Dort wohnten sie im Continental Hyatt House am Hollywood Sunset Strip. Hier soll sich John Bonham als Kellner verkleidet haben und auf einem Servierwagen hatte er dann wohl Jimmy Page den schon entkleideten Groupies zum Vernaschen präsentiert. In einem Motel in Detroit war kurz vor Eintreffen der Gruppe ein Mord geschehen. Der Teppich vor der Rezeption war noch voller Blut. Sie hatten die ganze Nacht im Flieger gesessen und wären am liebsten wieder umgekehrt, aber die Tour mußte weitergehen. Sie absolvierten dreißig Auftritte in neunzehn Städten. In vielen Städten waren sie jetzt die Hauptgruppe und wenn sie es nicht waren, dann schwitzten die anderen Gruppen Blut und Wasser, denn nach Led Zeppelin aufzutreten bedeutete den Untergang. Nur die ganz großen Gruppen wie zum Beispiel die Doors und die Byrds konnten neben Led Zeppelin bestehen. Bald waren sie es gewohnt, daß im Publikum die Hölle losbrach, wenn sie spielten. Sie variierten ihre Songs immer neu und ließen immer einen Raum für die freie Improvisation. Wenn einer von ihnen ein schönes Solo spielte oder eine neue Idee umsetzte, dann nickten sie sich anerkennend zu. Innerhalb der Gruppe herrschte ein gutes Klima und jeder zollte dem anderen Respekt. Auch auf dieser zweiten Tournee sollten die Zugaben kein Ende nehmen und oft hatte die Gruppe zwei Auftritte an einem Abend zu absolvieren. Zwischen den Auftritten setzten sich Jimmy Page und Robert Plant im Hotelzimmer zusammen und komponierten neue Songs. Sie schrieben die Noten und die Texte auf Hotelpapier. Robert schrieb seinen ersten Songtext "Thank You" und widmete ihn seiner Frau. In dieser Streßsituation war auch der große Hit und Dauerbrenner "Whole Lotta Love" entstanden. Dieser Song mit dem einzigartigen Riff, den man nicht mehr vergessen kann, wenn man ihn einmal gehört hat, wurde zur Hardrock-Hymne. Jeder freie Tag zwischen den Gigs wurde für Aufnahmesessions in den Studios genutzt und dafür reisten sie dann auch noch kreuz und quer durch Amerika. Manchmal sackte Jimmy Page auf dem Mischpult regelrecht zusammen. Er hatte Ringe unter den Augen und war total erschöpft. Im Mittelteil von "Whole Lotta Love" kann man diesen Zustand kurz vor dem Nervenzusammenbruch beim Hören nachvollziehen. Hier hatte Jimmy Page mit Klängen experimentiert. Er spielte eine Slidegitarre und setzte ein Rückwärts-Echo ein. Wenn man diesen Teil des Liedes hört, dann hat man das Gefühl, als würde man mitten auf einer Kreuzung stehen. Gitarrenklänge rauschen wie Rennautos an einem vorbei, die von Feuerwehrwagen mit Sirenengeheul verfolgt werden. Das Schlagzeug tickt wie eine außer Rand und Band geratene Uhr, die zu immer schnellerem Tempo antreibt und die Becken klingeln wie bei einer Straßenbahn, die mitten durch das Chaos fährt. In die aufkommende Stille ergießt sich Roberts Stimme, ein einziges Kreischen und Heulen und Stöhnen, das Echo seines Stoßseufzers "Woman" überholt ihn und alles gipfelt in seinem gesungenen Orgasmus, bis die stampfende Gitarre wieder einsetzt und die Stimme zum Refrain zurückfindet. Dieser Song war in seinem Aufbau ein einziges, gelungenes Kunstwerk, an dem Jimmy Page Stunde um Stunde herumgetüftelt hatte. Robert Plants Gesang war in einem einzigen Take gelungen. Auf dieser Tournee ging es an die letzten Reserven. In einer Stadt wurde der Gesang aufgenommen, in einer anderen die Mundharmonika eingespielt und in wieder einer anderen Stadt nahm Jimmy Page die Gitarre auf. Sie hatten ihre Auftritte und sie mußten weiter komponieren. Die Erwartungen der Plattenfirma und der Käufer waren ungeheuer hoch. So langsam hatte Jimmy Page das Gefühl, er verliere den Überblick und er begann, an seiner Arbeit zu zweifeln und wurde immer kritischer und bearbeitete die Stücke immer wieder neu. Manchmal überkam ihn die Angst, er hätte sich einfach zu weit vorgewagt. Unter diesen Produktionsbedingungen fehlte einfach die gebührende Distanz, um das eigene Werk zu beurteilen. So entstanden auch die Stücke "Ramble On", "Bring It On Home". "Living Loving Made", "Heartbreaker" und "What Is And What Should Never be". Als Jimmy Page seine Werke zum ersten Mal Peter Grant und einem Journalisten vorspielte, und diese sich nach dem Hören nur noch in Superlativen ergingen, da wollte er es einfach nicht glauben. Selbst als Jerry Wexler verlauten ließ, es sei der beste weiße Blues, den er je gehört habe, mäkelte er immer noch herum und hatte Bedenken. Außerdem war Jimmy Page sehr bescheiden. An jeder Ecke sah er Gitarristen, die besser waren als er selbst. Außerdem machte ihn die Glasscheibe in den Studios verrückt. Er brauchte immer das Publikum. Robert Plant entwickelte zu dieser Zeit immer mehr Freude am Songschreiben und war viel optimistischer.

Kurz vor dem Erscheinen der zweiten LP ging Led Zeppelin nach nur sechs Wochen Pause schon wieder nach Amerika. Im Oktober 1969 gaben sie zwei Konzerte in der Carnegie Hall. Die Karten waren seit Wochen ausverkauft. Natürlich sprengten sie wieder einmal den Rahmen und spielten sehr viel länger als zwei Stunden, denn es gab einfach keinen Song in ihrem Repertoire, den sie unter den Tisch fallen lassen wollten. In Boston spielten sie vor 17 000 Zuschauern und erhielten dafür nicht nur ihre Gage, sondern auch Prozente. Für diesen einen Auftritt bekamen sie 45 000 Dollar. Die Hallen wurden immer größer und die Fangemeinde auch. Dafür hatten die Schwermetaller aber auch schwer geschuftet. Sie spielten in Detroit, Chicago, Cleveland, Buffalo, Providence, Syracuse, Toronto, Kitchener, Kansas City und dann drei Nächte in San Franciso. Zu dieser Zeit zeichneten sich schon langsam aber sicher auch die Schattenseiten des Ruhmes ab. Robert Plant stellte verwundert fest, daß er gar keine Zeit hatte, um sein schwer verdientes Geld auszugeben. Wenn sie auf der Bühne standen, dann wurden sie in Amerika von den Fans nur noch vergöttert, aber auf der Straße wurden sie von den Rednecks wegen ihrer langen Haare und den Hippiklamotten bedroht, bespuckt und beschimpft, da sah man in ihnen nur noch Tunten und Gammler. Wenn sie irgendwo eine Kaffeepause machten, dann bediente man sie einfach nicht. In Texas waren sie mit dem Revolver bedroht worden und in letzter Minute geflüchtet. Die Übergriffe der Polizei bei den Konzerten brachten sogar John Paul Jones aus der Ruhe. Natürlich hatte Amerika auch schöne Seiten. Jimmy Page fand es herrlich, daß die Altmeister des Blues in jeder größeren Stadt in den kleinen Clubs zu bewundern waren, dennoch fühlten die Mitglieder der Band sich ständig diskriminiert. Jimmy Page fand die Situation für jeden halbwegs sensiblen Menschen mit langen Haaren einfach unerträglich.

Am 22. Oktober 1969 erschien Led Zeppelin II. Das erste Album hatte sich 780 000 mal verkauft. Für das zweite Album lagen eine halbe Million Vorbestellungen vor und es wurde am Tag des Erscheinens schon vergoldet. In vielen Städten standen die Menschen in den Plattenläden Schlange, um die ersten Exemplare zu ergattern. Led Zeppelin II machte zuerst kleine Hüpfer in den amerikanischen Charts, dann immer größere Sprünge und vertrieb dann die Beatles mit ihrem Album Abbey Road von ihrer lang gehaltenen Spitzenposition. Für Jimmy Page war es ein überraschender Schock, als er erfuhr, daß sich das zweite Album noch besser verkaufte als das erste. Er empfand es beinahe als beängstigend, weil nichts daran geplant war. Für ihn war es nur Glück und gutes Timing. Nach diesem unerwartet großen Erfolg wollte man Led Zeppelin auch in den Radios hören und man drängte auf eine Hitsingle. Eine gnadenlose Zensur sorgte dafür, daß nur Songs gespielt werden durften, die alle auf das gleiche Zeitmaß gepreßt waren. "Whole Lotta Love" sollte mit seinen fünf Minuten und fünfunddreißig Sekunden auf drei Minuten zusammengeschnitten werden. Led Zeppelin wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen. Natürlich sollte der Mittelpart mit den experimentellen Klängen und dem Schlagzeugsolo herausgeschnitten werden. Kurze Zeit später spielten einige mutige Sender die lange Version und andere unternahmen einfach von sich aus die Amputation. Atlantic Records sah sich gezwungen, die Single endlich auf den Markt zu werfen. In den Augen der Band war das unredlich. Peter Grant stand hinter seiner Gruppe und machte mit seinem ganzen Schwergewicht ein für alle mal klar, daß Led Zeppelin in England keine Hitsingles auskoppeln würde. Es sei ein Betrug am Publikum. Jimmy Page war ein unbeugsamer Steinbock und Peter Grant konnte ebenso unnachgiebig sein. Der Pr-Manager von Atlantic Records gab sich geschlagen. Mit dieser Haltung vollzog man einen großen Schritt nach vorn und das Konsumverhalten der Hörer gab ihnen recht. Die LPs der Gruppe verkauften sich auch ohne die Promotion der schnellebigen und schnell konsumierbaren Hitsingle. Im Eiltempo verwandelten sich Led Zeppelin I und Led Zeppelin II in Platin und verkauften sich besser als jede Hitsingle. Damit hatte die Gruppe ein Zeichen gesetzt. Die Underground-Freaks nahmen sich Zeit und hörte sich das Gesamtkunstwerk einer Gruppe gern in Ruhe an. Die Musik begann immer mehr eine zentrale Rolle im Leben der Menschen zu spielen. Auf den Partys legte man nicht einfach nur eine Single auf, um danach zu tanzen, sondern man versammelte sich oft, um gemeinsam intensiv Musik zu hören.

Nach der Veröffentlichung der zweiten LP konnte sich Peter Grant vor Konzertangeboten kaum noch retten. Man war bereit, jeden Preis für einen Auftritt der Gruppe zu zahlen. Für einen Auftritt in einer Fernsehsendung in Deutschland, die via Satellit in Europa und Amerika übertragen werden sollte, war man bereit, eine Million Dollar zu bezahlen. Peter Grant lehnte das Angebot ab, weil ihm die Tonqualität bei solchen Übertragungen einfach zu schlecht war. Die Amerikaner konnte einfach nicht glauben, daß er diese Summe für einen einzigen Auftritt einfach ablehnte, aber Peter Grant hielt an seinen Prinzipien fest.

Als Jimmy Page seinen sechsundzwanzigsten Geburtstag feierte, hatte die Band einen legendären Auftritt in der Royal Albert Hall. Das Publikum applaudierte bei jedem Stück so begeistert, daß die Gruppe keinen Song beenden konnte und immer wieder neu ansetzte. Während eines Medleys begannen die Leute zu toben. Roger Daltrey, der Sänger der Who, stand mit einem Drink in der Hand hinter der Bühne, staunte nur und murmelte vor sich hin: "Ich weiß, warum mit denen niemand auftreten will. Die sind einfach zu gut!" Am Ende des Konzerts machte Roger Daltrey Jimmy Page mit dem Fotomodell Charlotte Martin bekannt, eine ehemalige Freundin von Eric Clapton. Jimmy und Charlotte wurden augenblicklich ein Paar und die Beziehung sollte viele Jahre anhalten. Mit dem Auftritt in der Royal Albert Hall hatten Led Zeppelin auch endgültig den Durchbruch in England geschafft. Den Aufstieg des Zeppelins konnte niemand mehr aufhalten.

Als nächstes machten Led Zeppelin wieder eine Europa-Tournee. Sie führte nach Kopenhagen, wo alles begann, dann ging es weiter nach Helsinki, Stockholm, Amsterdam, Köln, Wien, Hamburg und Montreux. In Kopenhagen wurde Jimmy Page ganz rührselig, aber das änderte sich schlagartig, als Eva von Zeppelin plötzlich auftauchte und protestierte, daß man ihren Familiennamen benutzte. In der Presse wurde viel Wirbel um diese Kontroverse gemacht. Eva von Zeppelin bezeichnete die Musik Led Zeppelins als Schund und sah ihre Familienehre in den Schmutz gezogen. Sie drohte damit, falls die Gruppe den Namen in Dänemark benutze, vor Gericht zu ziehen. In der Presse bezeichnete sie Led Zeppelin als Bande kreischender Affen. Jimmy Page lud die streitbare Dame zu einer Aussprache in ein Kopenhagener Probenstudio ein. Jimmy Page sagte freundlich: "Wir tun doch nichts, um ihren Familiennamen zu entehren. Wir machen doch nur Musik, die Millionen von Menschen gefällt." Eva wiederholte immer wieder: "Ich will doch nur den Ruf meiner Familie schützen." Jimmy antwortete: "Millionen Menschen kennen unseren Namen. Und ich kann mir nicht vorstellen, daß einer davon schlecht über ihre Familie denkt." Die Gruppe gab sich sehr viel Mühe, das Herz der alten Dame zu erweichen. Es schien so, als hätten sie Erfolg gehabt, aber als sie beim Hinausgehen das Cover der brennenden Hindenburg erblickte, explodierte sie und drohte lauthals mit einer einstweiligen Verfügung. Peter Grant und seine Jungs hatten keine Lust, vor Gericht zu ziehen und so tauften sie die Gruppe in Kopenhagen kurzerhand in The Nobs um. Auf diesen Namen meldete niemand seine Rechte an, denn es war ein Slangausdruck für das männliche Geschlechtsteil.

Als die Band wieder nach England zurückgekehrt war, zogen Jimmy Page und Robert Plant in ein Cottage in Süd-Wales, um sich zu entspannen und ein paar Songs zu schreiben. Das Cottage hieß Bron-Y-Aur. Robert Plant war in seiner Kindheit oft dort gewesen. Jimmy nahm seine Freundin Charlotte mit und Robert wurde von seiner Frau Maureen und dem Baby begleitet. Er war inzwischen Vater geworden. Er hatte seinen kleinen Sohn Karac genannt. Der Name stammte von einem keltischen Heerführer. Sie genossen die schöne Landschaft und die Ruhe und den Frieden. Das Cottage war vollkommen abgelegen. Hier entstanden zum ersten Mal auch akustische Stücke und Volkslieder. Jimmy benutzte die Mandoline, griff zur akustischen Gitarre und spielte sogar Banjo. Hier entstand der "Immigrant Song", "Since I`ve Been Loving You" und das herrliche Folk-Traditional "Gallows Pole". Für "Your Time Is Gonna Come" benutze Jimmy eine Pedal-Steel. Robert schrieb sich in "That`s The Way" einiges von der Seele. In den Songs ging es immer mehr um keltische Mythen und Sagen, weil Robert sich dafür sehr interessierte. Jimmy Page hatte noch mehr Interesse an Mystik und Magie als Robert, er war ein glühender Bewunderer von Aleister Crowley. Er sammelte alle möglichen Utensilien, die dem Altmeister gehört hatten. Man munkelte sogar, Jimmy praktiziere selbst Magie. Während dieser erholsamen Tage auf dem Lande entstanden wie von selbst die meisten Songs für das dritte Album. Sie schlugen damit eine neue Richtung ein. Auf diesem dritten Album von Led Zeppelin waren sogar Geigen zu hören.

Nach dieser kurzen und kreativen Erholungspause ging es schon wieder nach Amerika. Gleich am Anfang der Tour war Jimmy Page eine Gitarre gestohlen worden. Es war eine schwarze Les Paul, die Keith Richard ihm geschenkt hatte. Jimmy war außer sich, denn sein ganzes Herz hing an dieser Gitarre. Er gab ein Anzeige in einer Musikzeitung auf, aber ohne Erfolg. Während der ganzen Tournee wirkte Jimmy Page niedergeschlagen. Es schien, als sei der Verlust dieser Gitarre für ihn wie der Verlust einer Geliebten. Diesmal trat Led Zeppelin ohne Vorgruppen auf. So konnten sie ihre Konzerte immer mehr ausdehnen. John Paul sagte nur immer: "Solange die Fans bleiben, bleiben wir auch". Sie spielten nur noch vor großem Publikum in großen Stadien und Arenen. In Memphis wurde ihnen die Ehrenbürgerwürde verliehen. Für Jimmy Page war das ein sehr bewegender Moment. Zur gleichen Zeit wurde Peter Grant hinter der Bühne von dem Veranstalter mit einer Pistole bedroht. Ihm flatterten die Nerven, als er die zehntausend Zuschauer ausrasten sah und er verlangte, Peter Grant solle seine Jungs von der Bühne holen, ansonsten würde er ihn abknallen. Grant antwortete: "Du Arschloch kannst mich nicht abknallen. Sie haben uns gerade die Scheiß-Schlüssel der Stadt überreicht, oder?" Im Süden heuert die Band acht zusätzliche Bodyguards an, weil sie immer mehr von Rednecks bedroht wurden. Ihren letzten Auftritt konnte die Gruppe dann nicht mehr absolvieren, weil Robert Plants Stimme einfach nicht mehr mitmachen wollte. Er konnte beinahe nur noch krächzen und wollte dennoch unbedingt auf die Bühne. Er hatte in einunddreißig Tagen auf neunundzwanzig Konzerten gesungen und nun mußte der Arzt ihm klarmachen, daß er bei noch einem Auftritt endgültig seine Stimme ruinieren würde.

In England mietete sich die Gruppe ein großes Landhaus und dann wurden die Songs für die dritte LP in einem mobilen Studio aufgenommen. So konnten sie der sterilen Atmosphäre in den Studios entgehen. Außerdem brauchten sie dringend Erholung. Jimmy Page hatte langsam Angst, denn bei dem Tempo, das sie vorlegten, konnten sie ganz schnell ausbrennen. Danach gaben sie ein paar Konzerte auf dem Kontinent. Bei dem Festival in Bath spielten sie vor 200 000 Zuschauern und spielten zum ersten Mal ihre neuen Songs, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden. Danach gaben sie einige Konzerte in Deutschland, deren Höhepunkt eine Show in der Frankfurter Festhalle war, wo sie vor 11 000 Fans spielten und sämtliche Zuschauerrekorde brachen. Nach dem Konzert gingen sie in eine Kneipe und tranken 120 Slibovitz und 160 Biere. Dieser Alkoholkonsum zwischen den Konzerten war für die Gruppe ganz normal. In Köln randalierten tausend Fans vor der Sporthalle, weil sie keine Karten mehr bekommen hatten. In Mailand war es dann zu einer Massenpanik gekommen, weil die Polizei massiv Tränengas eingesetzt hatte. Die Gruppe spielte in einer Tränengaswolke und flüchtete nach vierzig Minuten von der Bühne. Die Roadies waren im Tumult verletzt worden. Zum Schluß wurde das Publikum von der Polizei eingekesselt und 10 000 Menschen wurden durch den Bühnenraum getrieben. Auf dem Rückflug nach London kamen Robert Plant die Tränen, als er versuchte, die Situation zu beschreiben. Er fühlte sich machtlos angesichts derart menschenverachtender Polizeimethoden. Die ganze Gruppe fühlte sich wie vor den Kopf geschlagen und Mailand blieb in ihrer Erinnerung ein traumatisches Ereignis.

Led Zeppelin III wurde am 5. Oktober 1970 veröffentlicht. Es gab über 700 000 Vorbestellungen. Diese Platte gelangte auch auf Platz eins in den Charts, konnte sich aber nur 31 Wochen dort halten. Die Kritiken waren noch niederschmetternder als jemals zuvor. Zuerst hatte man den Hardrock der Gruppe mit seiner Dynamik niedergemacht und nun wurde bemängelt, daß er fehlte. Jetzt wollte man nur noch eine Fortführung von "Whole Lotta Love" hören und niemand wollte die Weiterentwicklung der Band akzeptieren. Diesmal waren die Mitglieder von Led Zeppelin schwer enttäuscht und diesmal war Jimmy Page ganz besonders deprimiert. Außerdem hatte man das Gerücht in die Welt gesetzt, die Band wolle sich auflösen. Zur gleichen Zeit hatten die Leser des Melody Maker Led Zeppelin zur populärsten Rockband des Jahres 1970 gekürt. Sie waren beliebter als die Beatles. Sie hatten hintereinander drei Platinalben abgeliefert und auf der Bühne waren sie unvergleichlich. Sie hatten den Hardrock etabliert und Gruppen wie Black Sabbath, Emerson, Lake and Palmer und Uriah Heep wollten die Nachfolge antreten. Inzwischen hatten sie eine beherrschende Marktposition und nun war es ihre Aufgabe, diese Spitzenposition zu halten. Nur die Presse wollte den Erfolg in dumpfer Beharrlichkeit einfach nicht anerkennen.

Als wollten sie es sich und der Welt jetzt erst richtig beweisen, zog sich die Band wieder auf das Land zurück, um neue Songs für das nächste Album zu schreiben. Niemand hätte wohl gedacht, daß ihnen dort so ganz nebenbei der größte Megahit einfallen würde. Ein Klassiker, der in acht Minuten seine ganze Schönheit und die differenziertesten Stilmittel offenbarte. Ein zu Herzen gehender Song, der am meisten geliebte in der ganzen Rockgeschichte: "Stairway To Heaven". Robert saß mit Jimmy vor dem Kamin und Pagey spielte ihm ein paar Akkorde vor. Robert hatte schlechte Laune, aber da schrieb seine Hand wie von selbst einen Satz auf das Papier. Robert starrte die Zeile an: "There`s a lady who´s sure, all that glitters is gold, and she`s buying a stairway to heaven". Sie griffen die Zeile auf und dann sprudelte es nur so aus Robert heraus. Sie feilten wie besessen an dem Song herum und bauten die Parts immer dramatischer auf. Am Ende war ihnen ein Meisterwerk gelungen. Am Anfang dieser Ballade hört man nur eine mittelalterlich klingende Melodie, die von einer Flöte gespielt wird. Roberts Stimme greift diese Melodie auf und erklimmt dann Stufe für Stufe die Himmelsleiter und entführt den Hörer in spirituelle Gefilde. Mitten im Song kommt dann das Schlagzeug auf einmal ins Spiel und zieht das Tempo an. Die Schönheit des Liedes wird durch die einzigartige Melodie mit ihren wohldurchdachten Pausen und den mächtigen Instrumentalharmonien bestimmt. Außerdem schrieben sie "Misty Mountain Top" und "The Battle Of Evermore". Bei diesem Lied brauchte Robert Plant zur Unterstützung noch eine Frauenstimme, und so sang er mit Sandy Denny von den Fairport-Convention im Duett. Jimmy Page spielte dazu zum ersten Mal eine ganz wunderbare Mandoline dazu. Auch dieser Song ist dem Wechsel von Stil und Stimmung unterworfen und ist ein unaufdringliches Meisterstück. Bei dem Song "Black Dog" gab es viele kleine Taktsprünge und bei "Four Sticks" spielte Bonzo tatsächlich mit vier Sticks das Schlagzeug. "Going To California" war ein ganz schlichter und schöner Song. "When The Levee Breaks" war ein uralter, funkiger Blues aus dem Jahre 1928.

Mit diesem vierten Album hatten sie die Meßlatte ganz hoch gelegt. Jimmy Page hatte die Idee, dieses Album in einer völlig unbeschrifteten Hülle zu verkaufen. Der Name der Band und das Plattenlabel und selbst die Bestellnummer sollte dort nicht zu lesen sein. Jimmy Page wollte nur die pure Musik verkaufen. Was waren schon Namen und Titel? Nur auf die Musik kam es an. Die Plattenfirma hielt nichts von dieser Idee und bezeichnete sie als kommerziellen Selbstmord. Es kam zu ernsthaften Auseinandersetzungen. Jimmy blieb standhaft und ließ verkünden, sie würden die Masterbänder erst bekommen, wenn das Cover stimmte. Schließlich mußte Atlantic nachgeben. Auf dem Cover war nur das Bild eines alten Mannes zu sehen, der ein Bündel Reisig auf dem Rücken trägt. Auf dem Innencover war der Eremit aus dem Tarot zu sehen. Diese Karte bedeutet Suche nach Weisheit, Zurückgezogenheit, Ausdauer und Askese. Jimmy Page kannte sich mit den Karten gut aus. Er interessierte sich immer mehr für Magie und war tief in die Materie eingedrungen. Inzwischen hatte er sich sogar den Landsitz Crowleys am Loch Ness in Schottland gekauft. Dort hatte Crowley Thot und Horus beschworen. Auf dem Grundstück soll vorher eine Kirche niedergebrannt worden sein. Man erzählte sich um dieses Haus viele Spukgeschichten. Jimmy hatte sogar den Leitspruch Crowleys "Do What Thou Wilt" auf die Masterbänder gravieren lassen. Robert war mit seinem Interesse an keltischen Sagen und alten Kulturen wohl auch in der weißen Magie ganz gut bewandert. Außerdem gab es vier mysteriöse Symbole über den Titelangaben. Zwei davon waren wohl Runen. Jeder in der Gruppe hatte sich ein Symbol ausgesucht. Robert hatte sein Symbol selbst entworfen. Es zeigte eine Feder und bedeutete unter anderem Leichtigkeit, Poesie und Mut. Bonzos Symbol waren drei sich überschneidende Kreise. Es symbolisierte die Dreifaltigkeit. Darüber wollten sich die Fans später amüsieren, weil dieses Symbol auch das Logo eines Bieres war. Darin liegt aber nicht nur Komik, sondern auch Tragik, weil John Bonham schließlich am Alkoholkonsum gestorben ist. John Paul wählte eine Rune, die Zuversicht und Geschick bedeutete. Jimmy Page hatte sein Symbol auch selbst entworfen. Es sah aus wie das Wort Zoso. Aus diesem Grund haben dann später viele Fans das Album Zoso genannt. Die Bedeutung dieses Symbols hat Jimmy Page niemals preisgegeben. Im ersten Moment kommt einem vielleicht die Intuition, daß es sich um Zoroaster handeln könnte. Es könnte aber auch ein verdrehter Violinenschlüssel sein, der in die Ewigkeit eingebunden ist oder auch ein Engelszeichen. Aber ob diese Vermutungen richtig sind, kann uns der Gott des Feuers im Traum offenbaren. Mit diesem Plattencover trieb die Band die Medienleute zur Verzweiflung. Es war Jimmys Reaktion auf die negative Presse. Immer wieder hatte er gesagt: "Nur die Musik ist wichtig. Die Leute sollen die Platte kaufen, weil ihnen die Musik gefällt. Ich möchte, daß überhaupt nichts auf dem Cover steht! Feierabend!" Viele Fans nannten das Album auch "Four Symbols". Im Oktober 1971 kam die Platte auf den Markt.

Als die Arbeit an dem Album fertig war, brachen sie zu ihrer Spätsommer-Tournee nach Amerika auf und danach ging es zum ersten Mal nach Japan. Dort führte der "Immigrant Song" die Charts an. In der Stadthalle von Hiroshima gaben sie eine Benefizveranstaltung für die Opfer des Atombombenangriffs und bekamen dafür die Friedensmedaille der Stadt verliehen. Ein Hausverbot im Tokyo Hilton sorgte für Schlagzeilen. Robert Plant hatte das Kopfkissen von Phil Carson, der für Atlantic Records arbeitete und die Band begleitete, "versehentlich" aus dem Fenster geworfen. Als Phil Carson, nur mit einem Badetuch bekleidet, auf dem Fenstersims herumkletterte, um es sich zu holen, beschwerten sich die Jungs beim Hausdetektiv über den Spanner da draußen auf der Fensterbank. Später schleppten Bonzo und Richard Cole John Paul Jones, der gerade seinen Rausch ausschlief, auf den Hotelflur und dann lieferten sie sich in seinem Hotelzimmer mit Smurai-Schwertern ein Gefecht. Dabei wurde das Mobilar gründlich zerfetzt. Als sie sich dann auf dem Hotelflur eine wilde Obstschlacht lieferten, wurden sie des Hauses verwiesen. Im Zug nach Osaka war es zu einer wilden Rauferei gekommen, weil die Jungs Jimmy Page einen Streich spielen wollten und dabei aus Versehen das Abteil von Peter Grant erwischt hatten. Ein Promo-Manager von der japanischen Plattenfirma, der mit im Zug war, dachte, die Band würde sich nun endgültig auflösen. Er war völlig verzweifelt, aber man konnte ihn schnell beruhigen, als man ihm erklärte, daß so etwas öfter vorkomme. Am nächsten Tag stiegen die Jungs aus dem Zug, als wenn nichts geschehen wäre, aber die Zeitungen in Japan brachten die Story auf der ersten Seite. Wie es in Amerika zuging, bezeugt Ritchie Yorke mit Humor in seinem Buch "Led Zeppelin. Biographie einer Band: "Wer immer dem Telefon am nächsten stand, hatte einen wichtigen Part im Spiel - er nahm ab, ermittelte den Anrufer und gab eine Nachricht an Cole weiter, der dann aus der anderen Ecke des Raumes seine Anwort brüllte (oder aus einem angrenzenden Schlafzimmer, in das er sich dann und wann zu einer schnellen Nummer verzog). "Nein, tut mir leid, wir möchten keine antiken Scheiß-Autos kaufen... Nein, sagt ihr, wir wollen heute nacht keines von den Weibern hier oben sehen, egal, wie verdammt schrill sie drauf sind... Nein, ich habe nicht die leiseste Idee, wo John Paul Jones steckt...Nein, sorry, wir haben keine Karten mehr für heute abend, nicht mal für die Presse - sag ihm, das hätte ihm mal früher einfallen müssen, dem Arschloch...Nein, Robert Plant kann heute definitiv kein Telefoninterview für einen New Yorker Sender geben - er ist scheißfertig, und der Gig heute abend reicht schon...Nein, Jimmy Page hat kein Interesse, Aleister Crowleys Scheiß-Testament zu kaufen...Nein, auch keine Transvestiten-Show heute abend nach dem Gig...Nein, Blowjobs brauchen wir auch keine mehr...Nein, wir haben keinen Backstage-Paß für die Kuh mit der Wunderpussy - sag ihr, sie soll auf der nächsten Tour wieder anrufen...Nein, Jimmy braucht kein super-sauberes Heroin...Nein, wir können keine Karten für George Harrison zurücklegen, weil er nämlich letzte Woche nach England abgereist ist...Nein, wir brauchen keinen telepathischen Magier als Vorprogramm...Nein, die Jungs können für niemanden einen Song schreiben...Ja, Ronnie Hawkins und seine Frau können gern heute abend zum Konzert kommen - sag ihnen, sie sollen sich die Karten nach sechs an der Hotelrezeption abholen...Nein, wir können jetzt unmöglich ein Benefizkonzert für die mongolischen Waisen geben - sag ihnen, sie sollen ans Londoner Büro schreiben...Nein, Peter Grant macht kein Interview mit der Daily News oder sonst einer Scheiß-Zeitung...Nein, sag ihnen, sie sollen, Scheiße noch mal, mit Danny Goldberg reden, wenn sie ihn nicht finden können...Nein, keine Lust auf eine Scheiß-Schwulenparty nach der Show - ach, Scheiße, nimm den Scheiß-Hörer vom Telefon."

Die Reaktionen des Publikums auf "Stairway to Heaven" waren einfach überwältigend. Wenn die letzten Noten dieser schönen Ballade verklungen waren, war Jimmy Page wie berauscht von der Ekstase und Raserei des Publikums. Der Song schien auf der Bühne ein Eigenleben zu entwickeln und langsam wurde Jimmy klar, daß sie da einen Monsterhit komponiert hatten. Mit diesem Song war ein Traum in Erfüllung gegangen.

Nach Erscheinen der vierten LP machten sie eine Zwölf-Konzerte-Tournee durch England. Die 19 000 Karten für zwei Konzerte im Londoner Wembley-Stadion waren nur wenige Minuten nach Beginn des Vorverkaufs weg. Es folgte eine Tournee durch Australien. Dort mußte ein Konzert verschoben werden, weil es regnete. Peter Grant hatte immer die Befürchtung, die Jungs könne ein elektrischer Schlag treffen. In Auckland spielten sie am Ende des Konzerts ein Medley und als dann "Whole Lotta Love" erklang, reagierte das Publikum mit so einem Gefühlsausbruch, daß sie das Stück auf sechzehn Minuten dehnten und spielten, bis sie nicht mehr konnten. Auch in Australien hatten sie die Herzen des Publikums im Sturm erobert. Auf dem Rückflug wollten sie einen Abstecher nach Thailand machen, aber sie kamen nicht durch den Zoll. Ihnen wurde die Einreise verweigert, weil sie so lange Haare hatten. Derweil machte Peter Grant den Veranstaltern folgendes klar: "Led Zeppelin kriegen von jetzt an neunzig Prozent der Tageseinnahmen. Ende!" Die Veranstalter waren natürlich wütend, dennoch gingen sie auf Peters Neunzig-Prozent-Klausel ein. Dafür übernahm Peter die Kosten für den Saal, das Sicherheitspersonal, die Limousinen, den Ton und die Beleuchtung. Er war nicht bereit, darüber zu verhandeln und er brauchte es auch nicht, denn mit einer Band wie Led Zeppelin waren zehn Prozent der Einnahmen für die Veranstalter immer noch sehr rentabel. Von da an brachte die Band an einem Abend mindestens 90 000 Dollar nach Hause. Einige Jahre später kassierten sie an machen Abenden 500 000 Dollar. Der Rubel rollte wie bei Rockefeller.

Im Frühsommer 1972 mieteten sie sich im Landhaus Mick Jaggers ein und nahmen die ersten Stücke für das fünfte Album auf. John Paul Jones und Jimmy Page hatten sich inzwischen Heimstudios eingerichtet, wo sie unentwegt an neuen Ideen arbeiteten. Als die Band dann zusammenkam, lief alles wie von selbst. An Ideenmangel hatten sie niemals zu leiden. Obwohl Atlantic das Album im Herbst herausbringen wollte, gingen sie die Arbeit in Ruhe an. Jimmy Page sagte: "Wie die Band zu ihrem Material kommt, ist immer unterschiedlich - aber da ist es immer." Es entstand "Dancing Days", ein rockiger Song mit einem grandiosen Finale. "No Quarter" war wieder ein ganz außergewöhnlicher und mystischer Song. Der Text war wieder der keltischen Mythologie entlehnt, rätselhaft und voller Zauber. "The Rain Song" handelte von einer kleinen Liebesgeschichte und "The Song Remains The Same" war Rock and Roll im eigenen Stil und "D`yer Mak`er" war voller Witz. "The Crunge" war als Homage an James Brown gedacht. Das fünfte Album wurde Houses of the Holy genannt. Nur wenige Wochen nach dem Erscheinen verdrängte das Album Elvis vom ersten Platz in den Charts.

1973 ging die Band wieder auf Tournee nach Amerika und diese Tour war eine der größten in der Geschichte der Rockmusik. Peter Grant charterte eine Boing 720 B mit dem Namen Starship, um den langen Wartezeiten auf den Flughäfen zu entgehen, denn sie mußten innerhalb eines Monats 34 Termine einhalten. Die Starship war ein Luxusjet mit 40 Sitzen, es gab eine Bar, Videomonitore, Schlafzimmer mit künstlichen Kaminen, Duschen, Polstersesseln und eine Orgel. Jimm Page war ganz stolz, als sich reiche Groupies aus Texas ebenfalls ein Flugzeug mieteten und der Starship folgten. Bei dieser Tournee wurde die Gruppe in ihren Limousinen von einer Polizeieskorte begleitet. Im Stadion der Atlanta Braves in Georgia brachen sie den Zuschauerrekord der Beatles. Die Jungs aus Liverpool hatten acht Jahre zuvor vor 33 000 Zuschauern gespielt und zu Led Zeppelin waren nun 49 236 Menschen gekommen. In Tampa, Florida wurde der Rekord noch einmal gebrochen, dort spielten sie vor 56 800 Leuten. Vor dem Stadion standen 90 000 Fans, die keine Karten mehr bekommen hatten. Die Band benutze eine Anlage mit vier Systemen mit je 3000 Watt, das war mehr, als man in Woodstock aufgefahren hatte. Robert Plant hatte dort einen Soundcheck gemacht und sagte: "Es klang wie der Hammer der Götter!" Beim Konzert standen die Menschen noch weit entfernt auf den Dächern. Jimmy Page konnte den Empfang, den man ihnen bereitete, kaum fassen. Diesmal hatten sie eine riesige Lighshow und viele Spezialeffekte auf der Bühne. Wenn Robert "Stairway To Heaven" sang, dann war er in ein einziges Diamantengeglitzer eingetaucht. Die Band war von einem Begleittroß von dreißig Sound- und Lichtmännern, Bühnenhelfern, Sicherheitsleuten und Roadies umgeben. Ein Fan schwärmte: " Keine Verzögerungen. Keine Warterei, kein umständliches Instrumentenstimmen, keine Faxen. Nur Musik. Nur umwerfender Rock, der nie heißer gespielt worden ist." In Dallas spielten sie vor 10 000 Menschen und im Fort Worth Convention Centre vor 13 500 Zuschauern. Beide Konzerte waren ausverkauft, obwohl die beiden Städte nicht einmal dreißig Autominuten voneinander entfernt waren. Das war zuvor noch nie gelungen. In San Francisco lockten sie 49 032 Leute ins Stadion und kassierten 325 000 Dollar. In Los Angeles gingen 36 000 Tickets für zwei Gigs im Forum über den Tisch und damit schlugen sie den Rekord der Rolling Stones. Bei der anschließenden Abschlußfeier wurde wieder ein "Ausschweifungsreport" geschrieben. Bonzo und Richard Cole waren dazu übergegangen, Möbel und Fernseher aus dem Fenster zu werfen. Ansonsten ging es so dekadent wie bei altrömischen Orgien zu, einfach nur Sex and Drugs and Rock and Roll. Sie erfüllten damit jedes Klischee und dachten, ein schlechter Ruf könne nicht schaden. Nur John Paul Jones zog sich während dieser Orgien in sein Zimmer zurück. Es mußten mindestens zwei Stockwerke zwischen ihm und den anderen liegen. Langsam aber sicher wurden auch die Drogen (ganz besonders für den Roadmanager Richard Cole und Jimmy Page) zu einem ernsthaften Problem. Und bei dem fortwährenden Alkoholkonsum war es tatsächlich ein Wunder, daß die Band auf Tourneen wie ein Uhrwerk funktionierte.

Während dieser "Starship"-Tour hatten die Dreharbeiten zu dem Kinofilm "The Song Remains The Same" begonnen. Peter Grant hatte die Live-Auftritte mit der Kamera dokumentieren lassen. Dieser Film wurde von der Band selbst finanziert. Während der Tournee waren der Band 203 000 Dollar aus dem Hotelsafe geraubt worden. Es war der größte Hotelraub in der Geschichte Manhattens und auch dieser Vorfall wurde mit der Kamera festgehalten. Später sollte sich jeder der Musiker eine kleine Geschichte einfallen lassen, die dann verfilmt wurde, um die Musiker zu charakterisieren. Diese Portraits wurden dann in die Live-Mitschnitte integriert. Dort sah man dann Jimmy Page in dunkler Nacht einen Berg erklimmen, auf dessen Gipfel er sich in der Gestalt des Eremiten selbst begegnet. Robert Plant war als edler Ritter zu sehen, der für sein Burgfräulein Maureen allerhand Abenteuer besteht. John Bonham zeigte sich als wilder Motorradfahrer und John Paul Jones als verkleideter Schurke und wilder Reiter. Peter Grant identifizierte sich mit Al Capone. Die Dreharbeiten zu diesem Film sollten sich über drei Jahre hinziehen. Bei der Weltpremiere des Films am 19. Oktober in New York erntete die Gruppe vom Publikum stehende Ovationen.

Nach der Tournee gründete die Band ihr eigenes Plattenlabel mit dem Namen Swan Song. Zu dieser Zeit war die Gruppe total erschöpft. Jimmy Page, der die ganze Zeit mit einem verletzten Finger Gitarre gespielt hatte, schien mit seinen Kräften am Ende. Während ihres letzten Gigs in Amerika hatte Robert Plant dem Journalisten Ritchie Yorke zugeflüstert: "Im Moment sind wir völlig im Arsch - aber wir haben ein paar neue Songs geschrieben und können es kaum erwarten, mit ihnen ins Studio zu gehen. Mal sehen, ob wir noch einen draufsetzen können!"

Nach einer längeren Pause machte sich die Band im Februar 1974 an die Arbeit zu ihrem sechsten Album, das den Titel Physical Graffiti tragen sollte. Diesmal wollte Jimmy Page auch wieder einige Texte beisteuern. Während seiner kurz bemessenen Freizeit war er nach Marokko und Bombay gefahren, um mit den einheimischen Musikern zu musizieren. In Bombay hatte er Ragas gespielt und hatte dazu auch das dortige Symphonieorchester eingeladen. Sein Geist verschmolz mit den Rhythmen der orientalischen Musik. Er selbst nahm aber niemals eine Sitar in die Hand, weil er einen so großen Respekt vor diesem altehrwürdigen Instrument hatte. Er wollte diese alten Traditionen des Raga nicht für einen Soundeffekt in der Rockmusik mißbrauchen. Dennoch hatten die orientalischen Klänge einen großen Eindruck hinterlassen und das war auf dem neuen Album deutlich zu hören. Die Gruppe hatte inzwischen so viel Ideen auf Lager, daß es für ein Doppelalbum reichte. Das Stück "In The Light" hatte keltische, indische und arabische Einflüsse. Während einer einsamen Fahrt durch die Wüste im Süden Marokkos überkam Jimmy Page die Inspiration. In dem Song "Kashmir" wird mit gewaltiger Energie die Monotonie dieser Landschaft umgesetzt. Dieser mysteriöse Song mit dem eingängigen, orientalisch klingendem Riff sollte wieder einer der großen Led Zeppelin-Hymnen werden. In diesem Song wird die Hitze der unbarmherzigen Sonne im Sandsturm, die Sehnsucht nach den Sternen und die ewige Suche des Menschen beschrieben. Die ungeheure Dynamik des Songs wurde durch den verdoppelten Einsatz der Gitarre erzeugt und dann von John Paul mit dem Mellotron und einem ganzen Orchester unterstützt. Bonzo schlug in diesem Song die leisen Töne an. Dieser Song war für die Band wohl der wichtigste in ihrer Karriere, denn er enthielt alle Elemente, die Led Zeppelin ausmachten. Auf diesem Album erschien auch der Titelsong des vorherigen Albums: "Houses of the Holy". Es sollte ein kleiner Witz sein, daß dieser Song ein wenig zu spät kam.

Schwierigkeiten bei der Gestaltung des Covers verzögerten das Erscheinen des Albums. Als es im Februar 1975 auf den Markt kam, stürmte es gleich wieder die Charts. Innerhalb von nur zwei Wochen eroberte es den ersten Platz. Der Verkauf war phänomenal, obwohl es ein teures Doppelalbum war. Die Vorbestellungen hatten die Zahl von zwei Millionen überschritten. Led Zeppelin waren die einzige Gruppe in den siebziger Jahren, die gleichzeitig alle sechs Alben in den Charts hatten. Endlich gab es auch für Led Zeppelin gute Kritiken.

Nach dem Erscheinen des neuen Albums ging es wieder im ganz großen Stil nach Amerika. Diesmal hatte sich Jimmy Page wieder den Finger verletzt, diesmal war er gebrochen und aus diesem Grund mußte die Band das Programm ein wenig umstellen. Auf dieser Tournee lernten die Bandmitglieder ihr großes Idol Elvis Presley endlich persönlich kennen. Der King wollte wissen, wer die Typen seien, die mehr Karten verkauften als er. Man unterhielt sich und Robert entdeckte an seinem Idol Durchblick und einen bissigen Humor. Elvis schenkte ihnen Autogramme und sagte dann: "Aber ich möchte auch welche von euch haben". Bonzo konnte es kaum fassen, daß der King ein Autogramm von ihm haben wollte. Im Mai gaben sie drei Konzerte in London. Der Veranstalter war mit 100 000 Kartenbestellungen überschwemmt worden und die Band mußte noch zwei Zusatzkonzerte geben. Peter Grant bekam Körbe voller Glückwünsche. In der Presse nannte man sie jetzt Rockgötter und es wurde die Frage gestellt, ob Led Zeppelin größer als die Beatles waren. Präsident Fords Kinder hatten Led Zeppelin zu ihrer Lieblingsband erkoren.

Im Jahr 1975 begann die große Pechsträhne der Gruppe. Eine Katastrophe nach der anderen brach über Led Zeppelin herein, und die Presse und die Fans brachten diese Geschehnisse mit Jimmy Pages Interesse am Okkulten in Zusammenhang. Es begann alles mit einem Urlaub, den sich die Mitglieder von Led Zeppelin im Mai gönnten. Robert fuhr mit seiner Familie nach Marokko, wo sich Jimmy ihnen drei Wochen später anschloß. Sie wurden zur Umkehr gezwungen, als sie sich in der Wüste einem Kriegsgebiet näherten. Jimmy schmiedete Pläne, entweder nach Kairo oder Neu Delhi zu reisen, um dort mit einheimischen Musikern zu arbeiten. Zunächst aber wollte er nach Sizilien reisen, um sich einen Unterschlupf Aleister Crowleys anzusehen. Ein Farmhaus nebst Abtei stand zum Verkauf an. Robert Plant flog mit seiner Familie nach Rhodos. Jimmy wollte ihnen folgen. Auf dieser Insel ereignete sich dann ein schrecklicher Autounfall. Roberts Frau Maureen saß am Steuer, als der Wagen über eine Böschung schoß und gegen einen Baum krachte. Robert saß auf dem Beifahrersitz und hielt seine bewußtlose Frau im ersten Moment für tot. Er selbst hatte sich das Bein gebrochen und außerdem hatte er eine schwere Verletzung am Ellenbogen. Seine Kinder saßen auf dem Rücksitz und waren auch verletzt, nur Scarlett, die Tochter von Jimmy Page und Charlotte Martin, war verschont geblieben. In dieser entlegenen Ecke von Rhodos war kein Krankenwagen zu bekommen und erst nach mehreren Stunden wurde die Familie auf der offenen Ladefläche eines Obstlasters ins Krankenhaus transportiert. In dem kleinen Krankenhaus hatte Robert große Schmerzen und machte sich große Sorgen um seine Frau, dabei zählte er die Kakerlaken, die über sein Bett krabbelten. Neben ihm lag ein besoffener Seemann, der plötzlich "The Ocean" von Houses of the Holy sang. In London brach derweil Panik aus, weil Peter Grant in seinem französischen Steuerexil nicht zu erreichen war. Richard Cole hatte von Charlotte Martin am Telefon erfahren, daß Maureen im Sterben lag und unbedingt Blut von einer vor Ort nicht erhältlichen Blutgruppe benötigte. Ohne Peter Grants Unterschrift konnte Richard Cole kein Geld locker machen, um der Familie zu helfen. Die Buchhalter von Swan Song rückten keinen Pfennig heraus und Cole war darüber sehr wütend. Mit seiner Hartnäckigkeit bekam er endlich von Claude Nobs, dem Schweizer Atlantic-Vertreter, das benötigte Geld überwiesen. Richard Cole organisierte einen medizinisch ausgerüsteten Privatjet und heuerte zwei Spezialisten an. Der erste war Dr. John Baretta, der die griechische Botschaft in London betreute und der zweite war Dr. Mike Lawrence, ein bekannter orthopädischer Chirurg. Richard Cole mußte die Familie Plant regelrecht aus dem Krankenhaus entführen, um sie nach London zu transportieren, denn die Autoverleih-Firma behauptete, Maureen sei zur Zeit des Unfalls betrunken gewesen und die Polizei wollte den Fall noch ausführlich untersuchen. Maureen hatte den Vorwurf entschieden zurückgewiesen. Geldgierige Anwälte belagerten die Szene, während Gevatter Tod um die kleine Notfallklinik schlich. Richard Cole handelte kurz entschlossen und rettete damit Maureens Leben. Um zwei Uhr morgens ließ er zwei Kombiwagen und eine Privatambulanz am Seiteneingang des Krankenhauses vorfahren. Zusammen mit Charlotte Martin schob er Robert, Maureen und ihre Kinder durch den Krankenhausflur zu den Fluchtwagen. In London mußte Maureen mit einem Schädelbruch, einem gebrochenen Bein und einer Beckenfraktur noch wochenlang im Krankenhaus liegen.

Robert erholte sich nur langsam von seinem Beinbruch. Die Ärzte wußten nicht, ob er jemals wieder richtig laufen könne. Die anstehende Nordamerika-Tour mußte verschoben werden. Die Gruppe flog mit Robert nach Malibu, wo Robert sich erholen und in Ruhe einige Songs schreiben konnte. Als aber ein Sturm aufkam, sah Jimmy Page darin ein Zeichen. Er meinte, es sei eine Aufforderung, die Zelte abzubrechen und weiterzuziehen. Im November zog die Gruppe nach München, um ein neues Album in den Musicland-Studios aufzunehmen. Robert hatte inzwischen den Rollstuhl verlassen und konnte auf Krücken gehen. Das Studio befand sich im Basement des Arabella-Hotels. Led Zeppelin hatten sich dort nur ein paar Wochen einmieten könne, bevor die Rolling Stones anrollten, denn das Studio hatte einen ausgezeichneten Ruf. Jimmy Page nannte diese Zeit einen Härtetest. Sie arbeiteten achtzehn Stunden am Tag und machten sich keine Gedanken um die Mahlzeiten zwischendurch. Jimmy Page wurde immer genial, wenn er unter Druck stand. In dem Opus "Achilles Last Stand" verwob er raffiniert mehrstimmige Gitarren. Er legte sie Spur für Spur übereinander. Sämtliche Gitarren-Overdubs entstanden in einer Nacht und Jimmy ging alles nur zweimal durch. Später war Jimmy der Meinung, daß diese hervorragende Nummer von vielen Leuten übersehen worden war. Das neue Album wurde Presence genannt. Auf diesem Album erschien auch der eingängige und humorvolle Folksong "Nobody`s Fault But Mine". "Tea For One" war ein Lied über die Einsamkeit. Hier schrieb sich Robert die Trauer von der Seele. Er litt immer noch sehr darunter, von seiner Frau so oft getrennt zu sein und der Unfall hatte ihm einen Schock versetzt. Ihm saß immer noch die Angst im Nacken, die Trennung könne für immer sein. In dem Song "Achilles Last Stand" setzte sich die Gruppe auf mythologischem Wege mit der Verletzlichkeit des Menschen und der Heimatlosigkeit auseinander. Die Themen dieser LP reflektieren die Krisen und die Schattenseiten des Lebens im Scheinwerferlicht, aber auch die Kraft, um sie zu überwinden. Prensence war eine Platte, die Jimmy Page sehr am Herzen lag. Ein Obelisk zierte das Plattencover. Das Album machte Geschichte, weil es allein durch Vorbestellung zu Platin kam. "Achilles Last Stand" wurde (trotz der Länge von zehn Minuten) sehr oft im Radio gespielt.

Nach einer zweijährigen Pause, als sich Robert von seiner Verletzung erholt hatte, ging es wieder nach Amerika. Nach den ersten zwei Gigs mußte man Robert Plant von der Bühne tragen. Aber bald lernte er, sich langsamer zu bewegen und es wurde leichter für ihn. Die ganze Tour war nur wenige Tage nach ihrer Ankündigung ausverkauft. Während dieser langen und anstrengenden Tournee (der Heroinkonsum der Gruppe war beträchtlich) machte Jimmy Page einen Abstecher nach Kairo. Dort gab es auch ein altes Domizil von Aleister Crowley. Jimmy Page beschäftigte sich immer noch intensiv mit dem Altmeister der Magie und er hatte inzwischen in London einen Buchladen eröffnet, der sich nur dem Okkultismus widmete. Pagey hatte eines Abends eine Fernsehsendung über die Pyramiden gesehen und in einer alten Wochenschau-Aufnahme war ein Zeppelin über diese alten Grabstätten geflogen. Für Jimmy Page war dies ein Zeichen, daß es Zeit war, nach Ägypten aufzubrechen. Jimmy kehrte rechtzeitig zurück, um dann mit seiner Gitarre in Alabama, Fort Worth, Washington, Greenboro, New York, San Diego, Los Angeles, Seattle, Arizona und San Francisco auf der Bühne zu stehen. Im Oakland-Stadion kam es zu einem bösen Zwischenfall, der wieder zu Schlagzeilen führte. Ein Sicherheitsmann hatte Peter Grants Sohn ohne ersichtlichen Grund geohrfeigt. Peter Grant und der Sicherheitschef John Bondon schnappten sich den Mann und schlugen ihn so zusammen, daß er in ein Krankenhaus mußte. Richard Cole hatte derweil Schmiere gestanden. In New Orleans wurden sie dann von der Polizei erwartet. Sie wurden wegen tätlichen Angriffs angeklagt und gegen eine Kaution wieder freigelassen.

Während einer sechstägigen Pause vor dem Auftritt in New Orleans machte John Pauls Jones mit Peter Grant und Jimmy Page Ferien in Kalifornien. Robert Plant, John Bonham und Richard Cole flogen nach New Orleans. Im Royal Orleans Hotel wurde Robert an der Rezeption informiert, daß seine Frau mit einer dringenden Nachricht aus England am Telefon sei. Zwei Stunden später tauchte Robert mit einer schrecklichen Nachricht wieder auf. Sein fünfjähriger Sohn Karac war gestorben. Er hatte eine schwere Virusinfektion und als sich sein Zustand verschlechterte, wurde ein Krankenwagen gerufen, aber der kleine Junge starb, ehe der Krankenwagen das Krankenhaus von Kidderminster erreicht hatte. Robert Plant flog mit einem schweren Schock mit John Bonham nach England zurück. Der tragische Tod von Roberts kleinem Sohn, den er so sehr liebte, stürzte die ganze Gruppe in eine schwere Krise. Die übrigen Bandmitglieder versuchten Robert zu trösten und sie wollten ihm Zeit geben, um das schreckliche Ereignis zu verarbeiten. Am 16. August 1977 war Elvis Presley dann an einer Überdosis Barbituraten gestorben. Drei Monate später hatte Bonzo einen Autounfall und brach sich drei Rippen. Während dieser Zeit kamen wieder Gerüchte auf, die Band wolle sich auflösen. Jimmy Page trat diesen Gerüchten entgegen. In den Gazetten war zu lesen, das böse Karma der Gruppe hätte wieder zugeschlagen und die Gruppe sei mit einem Fluch belegt, weil Jimmy Page Magie praktiziere. Jimmy Page war erbost über dieses dumme Geschwätz. Er fand es nur scheußlich und geschmacklos. Er sagte: "Einen Begriff wie Karma sollte man überhaupt nie verwenden". Anscheinend konnte niemand begreifen, daß Robert Plant Zeit brauchte, um sich wieder zu fangen und arbeiten zu können. Die Band hatte beschlossen, daß keine konkreten Pläne für künftige Aktivitäten geschmiedet werden, solange Robert und seine Familie trauerten.

Robert Plant machte eine schwere Zeit durch. Einige Zeit saß er in den Pubs und betrank sich sinnlos. Der Ruhm schien ihm nicht mehr viel zu bedeuten, aber seine Familie bedeutete ihm alles und sein kleiner Sohn war ihm total ans Herz gewachsen. Wie oft hatte er im bewundernden Ton von der Furchtlosigkeit seines kleinen Jungen gesprochen. Und nun mußte er auf einem fremden Kontinent vom Tod des Jungen hören, konnte nicht bei ihm sein, seine Hand nicht halten und nicht Abschied nehmen. Einige Zeit sah es so aus, als würde sich Robert von diesem Schicksalsschlag nicht mehr erholen. Bei dem Gedanken an neue Tourneen überkam ihn panische Angst, er könne wieder vom Tod eines geliebten Menschen überrascht werden. Die anderen Bandmitglieder hatten unendlich viel Geduld mit Robert und ganz langsam tasteten sie sich an ihn heran, sprachen ihm gut zu und animierten ihn zum weitermachen. Robert war innerlich zerrissen. Er zweifelte am Sinn des Starruhms, aber er war auch ein Mensch, der ohne die Musik und die kreative Arbeit nicht leben konnte. Im Dezember feierte die Band dann ihre Auferstehung und wenige Wochen später wurde Roberts Sohn Logan Romero geboren.

Bald darauf richteten sich die Bandmitglieder in den Stockholmer Polar-Studios ein, die der Gruppe Abba gehörten. Dort nahmen sie ihr fünftes Album mit dem Namen In Through The Out Door auf. John Paul Jones war zum ersten Mal der Hauptkomponist aller Stücke. Sein Keyboard kam immer mehr zum Einsatz. In dem Song "Fool in the Rain" war ein schöner Sambarhythmus eingebaut. Auf "Carouselambra" ließ John Paul Jones seine Keyboards dröhnen. In "All My Love" sang sich Robert seine ganze Trauer um den verlorenen Sohn von der Seele und Bonzo fand Roberts Stimme in diesem Stück einfach ergreifend. "I`m Gonna Crawl" begann mit einem überraschend einsetzenden Synthesizer-Intro und ging in eine Blues-Ballade über und Jimmy Page spielte in dem Stück ein wehmütiges Gitarrensolo. Im August wurde In Through The Out Door veröffentlicht und allein in Amerika wurden vier Millionen Exemplare verkauft. Die LP wurde in sechs verschiedenen Coverversionen auf den Markt gebracht.

1980 ging die Gruppe auf Europatournee und in diesem schicksalsträchtigen Jahr brach wieder eine Katastrophe nach der anderen über Led Zeppelin herein und diesmal war es das Ende. Richard Cole war von Peter Grant wegen seiner Drogenprobleme entlassen worden und bald danach verbrachte er einige Zeit im Gefängnis. Am 25. September wurde John Bonham im Jimmy Pages Haus tot aufgefunden. Bonzo hatte am vorhergehenden Tag während der Proben viel getrunken und war an Erbrochenem erstickt. Die Gruppe war vom Tode ihres Freundes einfach niedergeschmettert und vollkommen am Boden zerstört. Robert Plant fuhr sofort zu Bonhams Familie, um Pat Bonham und die Kinder zu trösten. Eine Gruppe von Fans hatte sich vor Bonhams Haus zu einer stillen Nachtwache versammelt. Die Nachricht von seinem Tode machte überall auf der Welt Schlagzeilen. Johns Beerdigung fand am 10. Oktober in der Rushock Parish Gemeinde in Worcestershire statt. Viele Freunde und Musiker kamen zur Beerdigung. Danach brachte Swan Song eine Erklärung mit folgendem Inhalt heraus: "Wir möchten hiermit bekanntgeben, daß der Verlust unseres lieben Freundes und ein tiefes Gefühl unaufteilbarer Harmonie, das uns und unsere Manager miteinander verbindet, uns zur Entscheidung veranlaßt haben, nicht mehr als das, was wir waren, weiterzumachen." Die Band weigerte sich, einen neuen Schlagzeuger zu suchen. John Bonham war nicht zu ersetzen. Robert Plant war der engste Freund John Bonhams gewesen und sein Tod erschütterte ihn zutiefst. Page und Jones empfanden den Verlust ebenso schmerzlich. Es gab keinen Gedanken an ein Weitermachen. Damit war der Weg für die Gruppe mit dem Namen Led Zeppelin zu Ende. Am 4. Dezember 1980 hatte sich die Band offiziell aufgelöst. Später erklärte Jimmy Page, er hätte es nicht mehr mit Led Zeppelin ausgehalten, wenn man die alten Nummern gebracht hätte, ohne John Bonham an den Drums. "Das wäre eine Beleidigung gewesen!" sagte er entschieden.

Danach gingen die Mitglieder von Led Zeppelin eigene Wege. Jimmy Page schrieb den Soundtrack zu dem Film "Ein Mann sieht rot". John Paul Jones zog sich auf seinen Landsitz zurück, schrieb auch einige Soundtracks und förderte die Karriere seiner Kinder. Robert Plant startete erfolgreich seine Solokarriere. Er gründete seine eigene Gruppe und zeitweilig spielte Phil Collins bei ihm Schlagzeug. Jimmy Page stellte das letzte Led Zeppelin-Album mit dem Namen Coda fertig. Er verwendete dafür alte Tracks, denn die Gruppe hatte immer mehr Tracks, als sie für das jeweilige Album brauchten. "We´re Gonna Groove" war ein alter Show-Opener aus den Sessions für das zweite Album. "Poor Tom" stammte aus der Bron-Y-Aur Ära und eine Live-Version von "I Can´t Quit You Baby" stammte aus einem Soundcheck in der Royal Albert-Hall und "Walters Walk" aus den Stargroves-Sessions von 1972. Drei Nummern kamen aus dem Stockholmer Studio zu den Aufnahmen des Albums In Through The Ought Door und den mit Synthesizer-Effekten versehenen Schlagzeug-Track, den Page und John Bonham 1976 in Montreux aufgenommen hatten. Das Stück hieß "Bonzos Montreux". Dieses Album war der Schlußpunkt einer einmaligen Karriere. Danach gründete Jimmy Page die Gruppe The Firm und nahm mit ihnen drei Alben auf. Es war eine Gruppe, die es nicht lange geben sollte. Robert Plant hatte mit dem Song "Sea Of Love" einen Riesenhit. Jimmy Page hatte mit Drogenproblemen zu kämpfen, spielte hier und da einige Gitarrenparts und war auch ab und zu auf den Platten von Robert Plant zu hören. Am 14. Juli 1985 gingen Jimmy Page und Robert Plant zum ersten Mal wieder gemeinsam auf die Bühne und traten erstmals wieder als Led Zeppelin in dem von Bob Geldorf inszinierten Live-Aid Konzert auf, das auch im Fernsehen übertragen wurde. John Paul Jones, der seit dem Tod von John Bonham nicht wieder öffentlich aufgetreten war, gesellte sich auch wieder zu seinen alten Kumpanen. Tony Thompson und Phil Collins spielten das Schlagzeug. Paul Martinez spielte Bass. Leider drückte der Roadie an diesem Tag Jimmy Page eine verstimmte Gitarre in die Hand, Robert Plant war heiser und das Schlagzeug war zurückhaltend. Obwohl dieser Abend nicht sehr gelungen war, freuten sich die Fans, ihre alten Idole wiederzusehen. Led Zeppelin waren unter den jungen, aufstrebenden Gruppen die meistimitierte Band. Mitte 1991 arbeitete Jimmy Page mit dem Whitesnake-Sänger David Coverdale an einem gemeinsamen Projekt und 1993 erschien ihr gemeinsames Album. Robert Plant war davon nicht begeistert, weil er der Meinung war, daß dieser Sänger ihn nur schlecht kopierte. 1995 kam es dann ganz unerwartet zu einem ganz großen Durchbruch. Jimmy Page und Robert Plant waren gemeinsam mit dem Ägyptischen Ensemble und dem Londoner Metropolitan Orchestra bei MTV in der Sendung No Quarter Unledded aufgetreten. Dieser Auftritt war so sensationell und ergreifend, daß die Zuschauerreaktonen einfach enorm waren. Die Sendung wurde auf Wunsch der Zuschauer des öfteren wiederholt. Obwohl diese beiden Vollblutmusiker schon etwas älter geworden waren, versprühten sie in dieser Sendung einen ungeheuren Charme und das Publikum im Studio reagierte begeistert darauf. Robert war schöner denn je und die Begeisterung für die Musik drückte sich in purer Freude, in seinem Lächeln und in seinen für ihn so typischen Gesten und Tanzschritten aus. Die Sängerin Najma Akhtar unterstützte ihn mit einer bezaubernden Stimme, die mit Roberts perfekt harmonierte. Jimmy Page spielte hingebungsvoll, konzentriert, aber mit voller Leidenschaft auf den verschiedensten Gitarren, darunter war eine mit drei Hälsen. Bei dem Song "No Quarter" sah man sie unter grünen Bäumen sitzen, dann wieder auf der Bühne, zwischendurch ein Zusammenspiel mit marokkanischen Musikern in einem Hinterhof irgendwo in der Nähe von Marrakech und dann ein Live-Auftritt auf dem Marktplatz der Gaukler, Zauberer und Schlangenbeschwörer in Marrakech während des Sonnenuntergangs. Mit uralten Verzerrern stampfte Jimmy Page den nordafrikanischen Rhythmus aus dem Bauch der Erde und Robert Plant sang wie ein Muezzin dazu, und die sie umringenden Menschen klatschten begeistert mit. Dieser ganze Auftritt, der zeigte, wie schön die musikalische Symbiose zwischen Orient und Okzident sein kann und wie herzerfrischend und auch tiefgreifend die Verbindung der ältesten und neuesten Musikstile und Musikrichtungen sich in dem Zusammenspiel dieser Virtuosen entfalten. Die Geigen wiegten sich im Blues, Roberts Stimme ritt auf einem Wellenkamm, Jimmy Page ließ glasklare Töne erklingen, niemals zu laut oder zu leise, entweder sensibel oder total angetörnt. Schräger Jazz oder astreiner Blues, Verzierungen eines Liebesliedes ohne Schnörkel, egal wie, Jimmy war mit dem Sänger im vollen Einklang und alle Musiker von der ersten bis zur letzten Geige mitsamt dem Drummer Michael Lee, alle zogen mit. Die alten Songs von Led Zeppelin waren in dieser Sendung noch einmal aus der Taufe gehoben worden. Die arabischen Drummer gerieten in Ekstase. Jede Note stimmte. Am Ende konnten sich die magischen Flötentöne über das ganze Orchester erheben, um dann Roberts Klagen und Sehnen, begleitet von Jimmys elektrischen Schwingungen, freien Raum zu geben. Die Reise nach Kaschmir wurde so deutlich, daß man den Sand in den Augen zu spüren glaubte.

Der Erfolg dieser Sendung war so groß, daß man das Konzert auf Video kaufen konnte und eine CD mit dem Namen "No Quarter" kam danach auch noch auf den Markt. Wenn man diese Sendung gesehen hat, dann denkt man, die Geschichte der Band hätte gerade erst begonnen und gleichzeitig begreift man, daß die Leichtigkeit, mit der diese Musik vorgetragen wird und die Begeisterung, die sie auslöst, die Früchte harter Arbeit sind. Dennoch scheint nicht nur Erfahrung, sondern auch der Geist der Liebe dahinterzustecken. Es ist diese Liebe zur Musik und diese wahre Liebe zur Musik ist immer auch eine Liebe zu den Menschen. Man möchte den Menschen Freude machen und gerade bei ihrem letzten Auftritt schließt das die Menschen jeder Hautfarbe, jeder Rasse und jeden Alters mit ein. Damit haben Led Zeppelin ein zeitloses Dokument hinterlassen und vielleicht erreichen sie damit auf Dauer mehr als jeder Politiker. Jimmy Page und Robert Plant arbeiten weiter an ihrem Vermächtnis und es ist spannend, ihnen dabei zuzusehen. Zuletzt ist ihre gemeinsame CD Walking into Clarksdale erschienen und die Songs werden immer exotischer. Jimmy Page und Robert Plant haben zusammen mit neuen und jungen Musikern eine Schallmauer durchbrochen und man kann nur hoffen, dieses musikalische Experiment wird weitergehen.

Quellen:

Chris Welsh Led Zeppelin Sonnentanz-Verlag / Richard Cole & R. Trubo Stairway To Heaven  Led Zeppelin Eine Legende der Rockmusik Wilhelm Heyne Verlag / Ritchie Yorke Led Zeppelin  Biographie einer Band VGS Verlagsgesellschaft Köln

Discographie:

Led Zeppelin:
Good Times Bad Times/ Babe I`m Gonna Leave You/ You Shook Me/ Dazed And Confused/ Your Time Is Gonna Come/ Black Mountain Side/ Communication Breakdown/ I Can´t Quit You Baby/ How Many More Times/

Led Zeppelin II:
Whole Lotta Love/ What Is And What Should Never Be/ The Lemon Song/ Thank You/ Heartbreaker/ Living Loving Maid (She´s Just A Woman)/ Ramble On/ Moby Dick/ Bring It On Home/

Led Zeppelin III:
Immigrant Song/ Friends/ Celebration Day/ Since I´ve Been Loving You/ Out On The Tiles/ Gallows Pole/ Tangerine/ That´s The Way/ Bron-Y-Aur Stomp/ Hats Off To (Roy) Harper/

Ohne Titel:
Black Dog/ Rock And Roll/ The Battle Of Evermore/ Stairway To Heaven/ Misty Mountain Hop/ Four Sticks/ Going To California/ When The Levee Breaks/

Houses Of The Holy:
The Song Remains The Same/ The Rain Song/ Over The Hills And Far Away/ The Crunge/ Dancing Days/ D´yer Mak´er/ No Quarter/ The Ocean/

Physical Graffiti:
Custard Pie/ The Rover/ In My Time Of Dying/ Houses Of The Holy/ Trampled Underfoot/ Kashmir/ In The Light/ Bron-Y-Aur/ Down By The Seaside/ Ten Years Gone/ Night Flight/ The Wanton Song/ Boogie With Stu/ Black Country Woman/ Sick Again/

Presence:
Achilles Last Stand/ For Your Live/ Royal Orleans/ Nobody´s Fault But Mine/ Candy Store Rock/ Hots On For Nowhere/ Tea For One/

The Song Remains The Same:
(Original Soundtrack) Rock And Roll/ Celebration Day/ The Song Remains The Same/ Rain Song/ Dazed And Confused/ No Quarter/ Stairway To Heaven/ Moby Dick/ Whole Lotta Love/

In Through The Out Door:
In The Evening/ South Bound Suarez/ Fool In The Rain/ Hot Dog/ Carouselambra/ All My Love/ I´m Gonna Crawl/

Coda:
We´re Gonna Groove/ Poor Tom/ I Can´t Quit You Baby/ Walter´s Walk/ Ozone Baby/ Darlene/ Bonzo´s Montreux/ Wearing And Tearing/

Remasters:
Communication Breakdown/ Babe I´m Gonna Leave You/ Good Times Bad Times/ Dazed And Confused/ Whole Lotta Love/ Heartbreaker/ Ramble On/ Immigrant Song/ Celebration Day/ Since I´ve Been Loving You/ Black Dog/ Rock And Roll/ The Battle Of Evermore/ Misty Mountain Hop/ Stairway To Heaven/ The Song Remains The Same/ The Rain Song/ D´yer Mak´er/ No Quarter/ Houses Of The Holy/ Kashmir/ Trampled Underfoot/ Nobody´s Fault But Mine/ Achilles Last Stand/ All My Love/ In The Evening/ 3